Gastbeitrag Club of Rome: Gegen Wachstum und die fettesten Geldsäcke

Der Club of Rome bauscht die globalen Gefahren auf und übersieht Chancen.

Die Autoren des neuen Berichts an den Club of Rome „Ein Prozent ist genug“ Jorgen Randers (l) und Graeme Maxton im September in Berlin auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts.

Die Autoren des neuen Berichts an den Club of Rome „Ein Prozent ist genug“ Jorgen Randers (l) und Graeme Maxton im September in Berlin auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts.

Foto: Monika Skolimowska

Berlin. Der Club of Rome macht erneut mit schrillen Thesen auf sich aufmerksam. 1972 war er mit der Untergangsstudie "Die Grenzen des Wachstums" berühmt geworden: Eine absolute Wachstumsgrenze werde innerhalb von hundert Jahren zum Zusammenbruch der Industriegesellschaft führen. Zentrale Annahmen für diese Prognose waren: Die Bevölkerung werde immer schneller wachsen, und durch fortschreitende Industrialisierung würden die Rohstoffe - insbesondere Erdöl und Kohle - aufgebraucht und die Umwelt unrettbar zerstört. Globale Erwärmung war noch kein Problem; man befürchtete vielmehr eine neue Eiszeit. Die damaligen Annahmen haben sich nicht bewahrheitet: Die erneuerbaren Energien haben die Ressourcenfrage entspannt und der Umwelt geht es, jedenfalls in den entwickelten Ländern, sogar deutlich besser als damals.

Soeben hat der Club wieder eine Studie veröffentlicht: "Ein Prozent ist genug". Der Untertitel fordert "wenig Wachstum". Auf den Punkt gebracht, kann man den Bogen zwischen der Studie von 1972 und der jüngsten so spannen: Wenn die damalige These einer absoluten Wachstumsgrenze inzwischen höchst fraglich ist, dann müssen wir eben das Wachstum selbst ausbremsen.

Schon beim Titel reibt man sich die Augen. Das englische Original heißt "Reinventing Prosperity", also "Wohlstand neu erfinden". Die deutsche Fassung heißt dagegen "Ein Prozent ist genug". Der englische Untertitel will Wachstum "managen", der deutsche fordert stattdessen "wenig Wachstum". Man ging wohl davon aus, dass die Deutschen den pessimistischen Blick in die Zukunft möglichst dramatisch lieben und sich das Buch hierzulande mit einem drastischeren Titel besser verkaufen lässt.

Und der Inhalt? Da der Ressourcenverbrauch und die Umweltverschmutzung heute als Hauptprobleme nicht mehr so recht taugen, ist es nun die zunehmende soziale Ungleichheit, die als "grundlegendes Problem" herhalten muss. Dafür berufen sich die Autoren auf das Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert des damit kurzzeitig berühmt gewordenen Thomas Piketty. Dessen Analyse halten sie lapidar für "bahnbrechend". Piketty glaubte, empirisch nachweisen zu können, dass die Reichen - die der Club of Rome in der Studie als "fetteste Geldsäcke" bezeichnet - immer reicher würden und der Rest zunehmend "ums Überleben kämpfen" müsse. Dass Pikettys Analyse substantielle handwerkliche Fehler enthält und seine Thesen inzwischen wiederlegt sind, erwähnen die Autoren nicht.

Um die vermeintlich zunehmende Ungleichheit zu beseitigen, fordert der Club of Rome ein Sammelsurium an Maßnahmen - die "zufällig auch die Folgen des Klimawandels mildern" sollen: Der "unendliche Konsum" müsse reduziert, die Arbeitszeit verkürzt, die Löhne erhöht, zucker- und salzhaltige Produkte besteuert sowie der internationale Handel behindert werden - explizit um das Wirtschaftswachstum zu drosseln. Und: Die Gesellschaft muss das Bevölkerungswachstum "idealerweise ins Negative kehren". Dafür soll jede Frau, die nur ein Kind bekommt, vom Staat 80.000 Dollar erhalten.

Einer der Autoren sagte dazu bei der Buchvorstellung: "Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt". Denn sie verbrauche dreißigmal so viele Ressourcen wie ein Kind in der Dritten Welt. Da spukte er dann doch wieder herum, der Ressourcenverbrauch. Mit dieser markigen Aussage fand das Buch so natürlich auch Beachtung in die Medien. Letztlich aber entspricht die Studie in ihrer Qualität der von 1972. Sie bauscht genauso wieder auf und wird wahrscheinlich deshalb auch wieder ihre Leser finden.

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