Bundespräsidenten-Wahl: Die einsame Kanzlerin

Bundespräsidenten-Wahl: Die einsame Kanzlerin

Nach der Marathon-Kür von Christian Wulff werden die Rufe nach mehr Führung und Entscheidungen in der Koalition lauter.

Berlin. Es wird einsam um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Schwarz-Gelb sucht nach dem Abstimmungskrimi bei der Wahl von Bundespräsident Christian Wulff nach einem Rezept für Führungsstärke und besseren Teamgeist.

Die CSU verlangt von Merkel mehr Orientierung, die CDU setzt auf besseres Zusammenspiel. Die FDP-Spitze will sich nicht lange mit Ursachenforschung beschäftigen und wie Merkel schnell wieder Sacharbeit machen.

Aus Sicht von Merkel "kommt es jetzt darauf an, dass die Regierung ihre Arbeit macht". Sie rechne nicht damit, dass die Regierungsarbeit schwieriger werde, sagte sie nach Wulffs Wahl.

CSU-Chef Horst Seehofer mahnte hingegen eine stärkere Führung in der Koalition an. Union und FDP dürften nach dem Verlauf der Wahl nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren. Es müsse Schluss sein mit "den abstrakten Diskussionen". An die Adresse der Kanzlerin sagte Seehofer, dass nun Führung und Entscheidungen gefragt seien.

Aus den CDU-Landesverbänden kamen Rufe nach Konsequenzen und einer besseren Zusammenarbeit der Koalition. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte mit Blick auf Wulffs Zitterpartie: "Das ist eher eine Art Ausrufezeichen und die Aufforderung: Beschäftigt Euch mal mit Euren inneren Problemen."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe appellierte an den Teamgeist. In einer Koalition sei politische Führung "Mannschaftsspiel". "Und schon vor der Bundespräsidentenwahl wussten wir alle: Das muss besser werden." Die Union wies Vorwürfe von FDP-Generalsekretär Christian Lindner zurück, die Abweichler seien vorwiegend aus dem CDU/CSU-Lager gekommen.

SPD und Grüne warfen der Linken am Tag nach der mit rund neun Stunden bisher längsten Bundesversammlung vor, Schuld an der Niederlage des rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck zu sein. Die Linken-Spitze konterte, SPD-Chef Sigmar Gabriel habe Gauck "verheizt".