Bäcker empört: EU hält deutsches Brot für ungesund

Bäcker empört: EU hält deutsches Brot für ungesund

Regulierungswut: Den Gesundheitsaposteln in Brüssel schmeckt der angeblich zu hohe Salzgehalt in unseren Backwaren nicht.

Berlin. Brot und andere Backwaren werden in diesem Jahr nur leicht teurer, verspricht das Deutsche Bäckerhandwerk. Von gesalzenen Preisen dürfte also auch in Zukunft keine Rede sein. Kräftig gesalzen ist dagegen das Brot selbst. Traditionell ist in deutschem Brot 1,8 bis 2,2 Prozent Kochsalz enthalten.

Das sei zu viel, sagt die Europäische Union. Die Gesundheitspolitiker in Brüssel wünschen sich Brot, in dem nicht mehr als 1,3 Prozent Salz enthalten ist. Ansonsten dürften die deutschen Bäcker ihre Produkte nicht mehr als "gesund" kennzeichnen, drohen sie. Mediziner warnen schon seit Jahren davor, dass zu viel Salz für hohen Blutdruck sorgt und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach oben treibt.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks will das nicht gelten lassen. Bei Präsident Peter Becker (mit e!) ist es eher die EU-Komission, die für hohen Blutdruck sorgt. 1,3 Prozent Salz - dann würde das Brot viel zu fade schmecken, regt er sich auf und stellt unmissverständlich fest: "Die EU-Kommission hat sich um den Salz-Gehalt im Brot nicht zu kümmern!"

Becker und seine Bäcker finden, dass es eher das europäische Ausland ist, das sich eine Scheibe von deutscher Bäckerkunst abschneiden sollte. Vollkornprodukte, Laugenbrötchen, Roggenmischungen - wo sonst schmeckt Brot so gut wie in Deutschland? Wenn deutsches Brot wegen seines Salzgehalts künftig nicht mehr als gesund bezeichnet werden dürfe, pappiges Weizenbrot ohne Ballaststoffe dagegen schon, dann sei das schlicht absurd. Irgendwann, wettert Becker, verböten die Regulierungswüteriche Salz im Brot dann ganz.

Auch Ernährungswissenschaftler wundern sich über Brüssel. Nicht das Brot sei das Problem, sondern eher die salzhaltige Wurst darauf. Und natürlich die mit dem guten Brot konkurrierende, meist übersalzene Fertignahrung. Ihr Rat an die EU-Gesundheitsapostel ist simpel: Sie sollten künftig lieber kleinere Brötchen backen.

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