Messerattacke: Zwei Tote bei mutmaßlichen Terrorangriff in Melbourne

Messerattacke: Zwei Tote bei mutmaßlichen Terrorangriff in Melbourne

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat den Messerangriff von Melbourne für sich reklamiert. In einer am Freitag online über das Sprachrohr Amak verbreiteten Nachricht der Islamisten hieß es, ein Kämpfer des Islamischen Staates habe den Angriff verübt.

Das Bekennerschreiben konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit überprüft werden. Bei dem Angriff mit einem Messer in der Innenstadt der australischen Millionen-Metropole waren zwei Menschen ums Leben gekommen.

Nach Angaben der Polizei war ein Mann kurz nach Büroschluss am Freitagnachmittag (Ortszeit) mit einem Messer auf Passanten und dann auch auf Polizisten losgegangen. Dabei hatte er drei Menschen verletzt, einen Mann tödlich. Der Angreifer selbst war dann von der Polizei niedergeschossen worden und kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben.

Die Tat geht nach Angaben von Polizeichef Graham Ashton vermutlich auf das Konto eines Mannes, der bereits in den 1990er Jahren aus Somalia eingewandert war. Der mutmaßliche Täter sei der Polizei bekannt, die die Tat als terroristischen Zwischenfall behandelte. Nach Medienberichten soll der Angreifer Kontakte in die islamistische Szene gehabt haben. Anfangs hatte die Polizei noch erklärt, dass es keine Hinweise auf eine terroristische Verbindung gebe.

Premierminister Scott Morrison verurteilte die Tat auf Twitter als «bösartigen und feigen Angriff». Zugleich lobte er den Mut der beteiligten Polizisten. «Australier werden sich von diesem entsetzlichen Angriff niemals einschüchtern lassen», schrieb er, sondern weiterhin «die Freiheit genießen, die die Terroristen hassen».

Die Tat ereignete sich in einem Einkaufsviertel mitten im Stadtzentrum, in dem zahlreiche Passanten unterwegs waren. Der Angriff auf der belebten Bourke Street wurde von mehreren Augenzeugen auf Handy-Videos gefilmt. Zu sehen ist, wie ein Mann in der Nähe eines brennenden Autos mit einem Messer auf mehrere Beamte in Uniform losgeht. Erst nach einiger Zeit wird er durch einen Schuss niedergestreckt.

Zur genauen Identität des Angreifers äußerte sich die Polizei zunächst nicht. Ashton sagte: «Er ist polizeibekannt. Hauptsächlich durch Verwandte, die für uns von Interesse sind.» Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Augenzeugenberichten um einen etwa 60 Jahre alten Mann. Von der Polizei gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Bei der Tatwaffe soll es sich um ein Küchenmesser gehandelt haben.

Der Täter war vermutlich mit einem Auto in die Straße gefahren, obwohl dies eigentlich verboten ist. Der Wagen geriet dann vor einem Geschäft in Flammen. Augenzeuge Markel Villasin berichtete, dass die Polizei «gut zwei oder drei Minuten» versucht habe, den um sich stechenden Mann außer Gefecht zu setzen. «Viele Leute haben geschrien "Erschießt ihn einfach, erschießt ihn."» Die Polizei versuchte zunächst aber, ihn zu überwältigen.

In derselben Straße war 2017 ein Mann mit seinem Auto in eine Menschenmenge gerast. Damals kamen sechs Menschen ums Leben. Der mutmaßliche Täter von damals steht inzwischen vor Gericht. Die Verteidigung behauptet, dass er durch Drogenmissbrauch an einer Psychose litt.

(dpa)
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