Timoschenko: Spekulation über OP in Berlin

Timoschenko: Spekulation über OP in Berlin

Bundesregierung bestätigt Gespräche über Einreise der inhaftierten Oppositionsführerin.

Kiew. Sergei Wlasenko redet sich schnell in Rage. „Diese Verbrecherbande hat nicht die geringste Absicht, etwas zu ändern“, sagt der Anwalt der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko.

Die Nachricht vom Wochenende, die an Rückenschmerzen leidende Timoschenko könne demnächst zu einer Operation nach Deutschland ausreisen, hält er für „eine reine Propaganda-Aktion“ von Präsident Viktor Janukowitsch. Die Bundesregierung hatte am Samstag bestätigt, dass sie mit den Behörden in Kiew über eine Behandlung Timoschenkos im Berliner Klinikum Charité verhandelt.

Timoschenko-Anwalt Wlasenko hält das für ein Spiel auf Zeit. „Fakt ist: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Ukraine schon vor Wochen dazu verurteilt, Julia Timoschenko eine angemessene medizinische Behandlung zu ermöglichen. Geschehen ist seither nichts.“ Zuvor hatte ein deutsch-kanadisches Ärzteteam die 51-Jährige im Frauen-Straflager untersucht. Diagnose: Bandscheibenvorfall.

Die neuen Spekulationen über eine Ausreise Timoschenkos nach Deutschland stehen vor allem im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Das Turnier beginnt am 8. Juni. Janukowitsch hat immer wieder betont, dass er sein Land im Sommer als europäische Nation präsentieren will. Experten vermuten, dass Janukowitsch seine politische Widersacherin als Faustpfand in den Verhandlungen mit der EU benutzt.

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