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Schuldenkrise: Wird Italien das zweite Griechenland?

Schuldenkrise: Wird Italien das zweite Griechenland?

Nun gerät die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in den Abwärtssog. In Brüssel läuten die Alarmglocken.

Brüssel. In Europa nehmen die Befürchtungen zu, dass Italien als nächstes Land in die Schuldenkrise im Euro-Raum gerissen wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief gestern das Parlament in Rom auf, als „wichtiges Signal“ einen Sparhaushalt zu verabschieden. Italien habe „ein Schuldenproblem“.

Die Aktienkurse an der Börse in Mailand brachen ein, der Euro geriet stark unter Druck. Zudem stiegen die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen. Aus Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise und weltweiten Turbulenzen auf den Finanzmärkten flüchteten die Anleger in Gold.

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Ein Hilfseinsatz für das Land könnte den Europäern wesentlich größere Probleme bereiten als die Unterstützung für Griechenland, Irland und Portugal. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi demonstrierte weiter Optimismus. Eine „griechische Tragödie“ sei ausgeschlossen, sagte er.

Spaniens Finanzministerin Elena Salgado, deren Land ebenfalls als finanzpolitischer Wackelkandidat gilt, zeigte sich besorgt. Die Bedrohung betreffe „nun die Eurozone als Ganzes“, sagte sie in Brüssel am Rande eines Treffens der Euro-Finanzminister.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) widersprach Überlegungen, das Volumen des Euro-Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln, um sich auf einen möglichen Hilfseinsatz für Italien vorzubereiten. „Davon kann überhaupt keine Rede sein“, sagte er.

Die Euro-Staaten einigten sich während des Finanzminister-Treffens darauf, dem hoch verschuldeten Griechenland rasch ein neues Hilfspaket anzubieten. Eine Ausbreitung der Krise auf andere Länder wie Italien müsse unbedingt verhindert werden. „Europa ist bereit, die Eurozone zu verteidigen“, sagte der niederländische Ressortchef Jan Kees de Jager.

EU-Kommissarin Viviane Reding forderte, die Ratingagenturen zu zerschlagen. Es dürfe nicht sein, dass „ein Kartell“ dreier Unternehmen über das Schicksal von Volkswirtschaften entscheide. Die großen Ratingagenturen hatten die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland und Portugal immer weiter herabgestuft, obwohl diese Länder Hilfskredite in Milliardenhöhe bekommen.