Polizisten nehmen freche Schüler fest

Polizisten nehmen freche Schüler fest

An US-Schulen überwachen bewaffnete Beamte, ob sich Kinder benehmen. Fluchen und Rauchen werden hart bestraft.

Washington. Früher waren es Lehrer, die ihre Schüler rügten oder zum Direktor schickten, heute sind es bewaffnete Polizisten, die in amerikanischen Schulen sicherstellen, dass die Regeln eingehalten werden. Nicht weniger als 15 000 von ihnen marschieren jeden Tag in den USA durch die Gänge der Grundschulen und Gymnasien. Wer sich daneben benimmt, muss mit schweren Strafen rechnen. Die Einführung im Jahr 1999 war eine unmittelbare Reaktion auf das tragische Massaker an der Columbine Highschool im US-Staat Colorado.

Bei dem Blutbad kamen 13 Menschen ums Leben, 21 weitere wurden verletzt. Mehr Sicherheit an Amerikas Schulen lautete das Gebot der Stunde. Vor allem an Highschools kamen immer mehr bewaffnete Ordnungshüter zum Einsatz.

Seit der Jahrtausendwende aber hat sich die Polizeipräsenz verdreifacht. Elternorganisationen kritisieren, dass die Überwachung ihrer Kinder mittlerweile außer Kontrolle geraten sei, und klagen immer häufiger über die psychologischen Folgen. Die bewaffneten Polizisten werden vom zuständigen Revier entsandt, um bis zu acht Stunden am Tag nicht etwa Verkehrssündern oder Verbrechern auf die Spur zu kommen, sondern junge Schüler zu überwachen.

Je nachdem, in welchem US-Staat sie tätig sind, können die Strafen für Fluchen, Raufen auf dem Schulhof, eine Prügelei im Klassenzimmer oder verbale Auseinandersetzungen mit einem Lehrer drakonisch sein. Es drohen ein mehrtägiger Schulverweis und nach Handgreiflichkeiten auch eine Nacht hinter Gittern. Allein in Texas wurden seit 2010 nicht weniger als 300 000 Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren festgenommen.

Je nach Verstoß werden sie formal eines drittrangigen Verbrechens bezichtigt. Ob es zu einer Gefängnisstrafe kommt, ist für die jungen Menschen gar nicht das entscheidende Argument. Sie denken vielmehr an ihre Zukunft. Denn: Ist jemand vorbestraft, kann dies später die Zulassung zur Uni verhindern und erst recht die Jobsuche erschweren.

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