Nato und Russland streiten über Raketenabwehr

Sollen die Länder nur Daten tauschen oder gleich den Luftraum aufteilen? Die Russen zumindest hoffen auf Hoheit im Osten.

Berlin. Die Nato und Russland sind weit von einer Verständigung entfernt, wie man bei der geplanten Raketenabwehr zusammenarbeiten könnte. Beide Seiten waren sich zwar am Freitag am zweiten Tag des Nato-Gipfels in Berlin über das Ziel einig: Es geht um den Schutz Europas gegen Flugkörper. Es sei aber „eine anspruchsvolle Sache“, für die beabsichtigte Kooperation eine Architektur zu entwickeln. „Wir haben uns nicht geeinigt, wie diese aufgebaut sein könnte“, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach Beratungen der Nato-Außenminister mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Dieser erklärte, das Projekt sei „ein Test für die Bereitschaft zur Partnerschaft“.

Bisher stimmen die Nato und Moskau lediglich überein, dass sie jeweils ein Abwehrsystem installieren wollen. Wie die beiden Schirme zusammenwirken könnten, ist indes umstritten. Der Nato schwebt nur eine Art Datenvernetzung vor. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, man könne sich in der Aufbau-Phase mit den Russen zusammensetzen und beim später die einlaufenden Daten austauschen und gemeinsam analysieren. Die russischen Vorstellungen gehen dagegen viel weiter: Moskau möchte den europäischen Luftraum aufteilen und für die östliche Hälfte zuständig sein. Außerdem dürften keine Raketen in Osteuropa in Stellung gebracht werden.

Die Nato ist bereit auf die Forderung einzugehen, dass der Radarschirm nicht auf russische Raketenstellungen ausgerichtet sein dürfe. Eine Mitentscheidung über den Abschuss anfliegender Flugkörper komme aber nicht infrage, sagten Diplomaten. „Den Finger am Knopf kann man nicht teilen”, hieß es.

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