Mitarbeiterin des Weißen Hauses verspottet krebskranken McCain

Mitarbeiterin des Weißen Hauses verspottet krebskranken McCain

Die abfällige Bemerkung einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses über den krebskranken Senator John McCain hat in Washington für Wirbel gesorgt.

Washington. Die abfällige Bemerkung einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses über den krebskranken Senator John McCain hat in Washington für Wirbel gesorgt. Laut US-Medienberichten hatte die zum Kommunikationsstab gehörende Mitarbeiterin Kelly Sadler am Donnerstag in einer internen Sitzung zum Widerstand des Senators gegen die designierte CIA-Chefin Gina Haspel gesagt: "Es macht nichts, er stirbt sowieso."

Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte dazu dem Sender CNN, Sadler habe einen Witz machen wollen, der missraten sei. Eine offizielle Entschuldigung des Weißen Hauses für die Bemerkung gab es aber nicht.

Die Regierungszentrale veröffentlichte eine knappe Erklärung, in der es lediglich hieß: "Wir respektieren Senator McCains Dienst an unserer Nation, und er und seine Familie sind in dieser schwierigen Zeit in unseren Gebeten". Sadler selbst rief laut Medienberichten McCains Tochter Meghan an, um sich zu entschuldigen.

McCains Ehefrau Cindy reagierte öffentlich auf die respektlose Bemerkung. In einer Botschaft im Internetdienst Twitter wandte sie sich direkt an Sadler mit den Worten: "Darf ich Sie daran erinnern, dass mein Ehemann eine Familie hat, sieben Kinder und fünf Enkel."

Der 81-jährige Republikaner leidet an einem aggressiven Hirntumor. Er kämpft in seinem Heimatstaat Arizona gegen die Krankheit an und kann sein politisches Amt nur noch in sehr begrenztem Umfang wahrnehmen. Der Veteran des Vietnamkriegs und langjährige Senator genießt über die Parteigrenzen hinweg großes Ansehen.

Die Nominierung Haspels für die Spitze des Auslandsgeheimdienstes lehnt McCain ab, weil die 61-Jährige früher an einem Programm zur Inhaftierung und brutalen Vernehmung von Terrorverdächtigen in versteckten Gefängnissen im Ausland beteiligt war. McCain ist ein entschiedener Gegner der Folter - er war selber als Kriegsgefangener in Vietnam von den Vietcong gefoltert worden. Die von Präsident Donald Trump nominierte Haspel hatte am Mittwoch bei einer Anhörung im Senat beteuert, dass sie den damaligen Umgang mit Häftlingen heute nicht mehr erlauben würde. Allerdings lehnte es die stellvertretende CIA-Chefin ab, die früheren Praktiken zu verurteilen.

McCain bekräftigte daraufhin seinen Widerstand gegen die Kandidatin. Ihre "Weigerung, Folter als unmoralisch zu bezeichnen", disqualifiziere sie für das Amt der CIA-Direktorin, erklärte er. Haspel braucht die Zustimmung des Senats, um die Leitung des Geheimdienstes zu übernehmen. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse kommt es dabei auf jede Stimme an. McCain ist ein harter Kritiker Trumps, ihr Verhältnis gilt als zerrüttet. Die Zeitung "New York Times" und der Sender NBC News berichteten vor einigen Tagen, McCain wolle nicht, dass der Präsident an seiner Beerdigung teilnehme.

Im Wahlkampf hatte sich Trump darüber mokiert, dass McCain als Kriegsheld gilt. Für ihn sei der Senator "kein Held", sagte Trump damals: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?" Trump hatte selbst einst den Wehrdienst umgangen. dja/cp/lan AFP

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