Widerstand Kreml-Kritiker Nawalny ruft zu Protesten gegen Einmarsch in Ukraine auf

Moskau · Der Oppositionelle Alexej Nawalny hat Russen und Belarussen dazu aufgefordert täglich gegen den "brutalen Krieg" zu demonstrieren. Und stellt in einer Mitteilung einiges klar.

 Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat zu Protesten aufgerufen.

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat zu Protesten aufgerufen.

Foto: dpa/Evgeny Feldman

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat zu täglichen Protesten in Russland und Belarus gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine aufgerufen. "Ich fordere alle auf, auf die Straße zu gehen und für den Frieden zu kämpfen", erklärte Nawalny am Mittwoch auf Facebook. "Lasst uns nicht zu einer Nation von verängstigten Stimmlosen werden."

Er rief dazu auf, sich nicht vor Festnahmen zu fürchten. "Wenn wir, um einen Krieg zu verhindern, die Gefängnisse und Polizeiwagen füllen müssen, werden wir die Gefängnisse und Polizeiwagen füllen." Alles habe einen Preis und dieser müsse nun bezahlt werden, fügte Nawalny hinzu. Andernfalls wäre Russland "eine Nation von Angsthasen".

Denn niemand dürfe die Augen vor diesem "brutalen Krieg" verschließen, "den unser kleiner, völlig verrückter Zar gegen die Ukraine entfesselt hat", erklärte der Oppositionelle mit Blick auf Russlands Präsident Wladimir Putin. "Ich kann, will und werde nicht schweigen, wenn pseudohistorischer Unsinn über Ereignisse vor 100 Jahren zu einem Vorwand für Russen wird, Ukrainer zu töten, und diese, die sich verteidigen, Russen töten."

Russland war am vergangenen Donnerstag in die Ukraine einmarschiert. Seitdem wurden hunderte Menschen getötet. Die Kämpfe dauern an. Putin gibt vor, die Ukraine "entnazifizieren" und "demilitarisieren" zu wollen. In seiner Rede zur Ankündigung des Einmarschs sprach er dem Land zudem grundsätzlich das Recht auf eine eigene Staatlichkeit ab und bezeichnete es als historisch "untrennbar" verbunden mit Russland.

Proteste gegen den Krieg sind in Russland offiziell verboten. Dennoch gab es in den vergangenen Tagen Anti-Kriegskundgebungen in vielen russischen Städten. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation OVD-Info wurden dabei 6800 Menschen festgenommen.

Der 45-jährige Nawalny gehörte in den vergangenen Jahren zur Spitze einer unter Putin bis dahin beispiellosen Welle von Protesten. 2020 überlebte er eine Vergiftung mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok und wurde in Berlin behandelt. Bei seiner Rückkehr nach Russland wurde er sofort festgenommen, er verbüßt mittlerweile eine Haftstrafe wegen Betrugsvorwürfen.

(AFP)