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Coronavirus: Die Angst begleitet islamische Pilger

Coronavirus: Die Angst begleitet islamische Pilger

Ausbreitung des tödlichen Coronavirus in Mekka befürchtet.

Berlin/Mekka. Rund anderthalb Millionen Menschen auf dichtem Raum und ein tödliches Virus:

Am Sonntag begann die Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina, bei der in diesem Jahr bei den Pilgern auch die Angst vor dem neuen Coronavirus namens Mers-CoV (Middle East respiratory syndrome coronavirus) mitreist.

Der saudische Gesundheitsminister Abdullah Al-Rabiah erklärte am Sonntag, es gebe bislang keinen Krankheitsfall unter den Wallfahrern, riet aber, Mundschutz zu tragen.

Seit September 2012, als das Virus erstmals in Großbritannien bei einem Mann aus Katar nachgewiesen wurde, gab es weltweit 138 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte Fälle der schweren Atemwegserkrankung.

Von ihnen verliefen 60 tödlich, also rund 43 Prozent. Alle Erkrankten hatten sich im Mittleren Osten angesteckt: in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien und Jordanien.

Lokale Behörden im Bereich der islamischen Pilgerstätten in Mekka und Medina in Saudi-Arabien sowie Gesundheitsexperten befürchten nun, dass es zu einem Anstieg der Krankheitsfälle durch den Pilgeransturm kommen könnte — allein 102 Mers-Fälle traten in dem Land auf. Hinzu kommt, dass die Infektionsquelle weiter unbekannt ist. Fledermäuse und Kamele standen zwischenzeitlich im Verdacht, Überträger zu sein.

„Wir können das Risiko nicht recht abschätzen“, sagt Dr. Walter Haas, Leiter der Fachabteilung für respiratorisch übertragbare Erkrankungen am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Allerdings habe es bei der Hadsch im vergangenen Jahr und während des Ramadan 2013 keine massive weitere Ausbreitung durch Pilgernde gegeben — daher warnt er vor Panikmache.

Jedoch gab es bei der bisherigen Ausbreitung bereits Fälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragung. „Ein Übertragungspotenzial ist da, bislang ist es aber nur als gering einzustufen“, sagt Haas. Es hänge viel davon ab, wie sich der Erreger weiter entwickele. „Wie sich das Virus weiter anpasst, können wir aber nicht voraussagen.“ Derzeit schätzt er das Risiko, sich auf der Hadsch zu infizieren, als sehr gering ein.

„Wer vorbelastet ist, sollte sich vor der Pilgerfahrt an seinen Hausarzt wenden“, empfiehlt Haas. Bislang seien aber unter den Erkrankten nur wenige Reisende gewesen, sondern eher Menschen, die in den Regionen dauerhaft leben oder sich dort länger aufgehalten haben.

Die WHO zeigt sich weiterhin besorgt und sieht den Virus als „Gefahr für die ganze Welt“. Es gibt zwar keine Reisewarnungen, jedoch werden Gesundheitsbehörden, Hospitäler und Reisende zu erhöhter Vorsicht aufgefordert.

So solle man sich häufig die Hände waschen und den Kontakt zu Menschen meiden, die Symptome wie Husten zeigen. Für Lebensmittel gilt auch im Fall von Mers-CoV die universale Regel auf Reisen: „Koch es, schäl es, oder vergiss es.“