Attents-Pläne: Wie das Drehbuch zu einem Thriller

Die angeblichen iranischen Attentatspläne auf amerikanischem Boden könnten den Dauerstreit der beiden Länder eskalieren lassen.

Washington. Den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran droht eine neue Eiszeit. Die amerikanische Regierung behauptet, der Auftrag für ein Attentat gegen den saudi-arabischen Botschafter in Washington sei von Teheran ausgegangen. In der iranischen Hauptstadt aber heißt es, mit „amerikanischer Propaganda“ wolle man lediglich von den wirtschaftlichen Problemen sowie den Anti-Wall-Street-Protesten ablenken.

Robert Mueller, Direktor des Bundeskriminalamts FBI, formulierte es treffend: „Die Abläufe lesen sich wie das Drehbuch zu einem Hollywood-Thriller.“

Schon seit Monaten konzentrierten sich die Ermittlungen auf den amerikanischen Staatsbürger Mansour Arbabsiar. Arbabsiar soll von einer paramilitärischen Eliteeinheit mit einem Attentat auf Adel al-Jubeir, den Botschafter Saudi Arabiens in Washington, beauftragt worden sein. Ziel war es laut US-Justizminister Eric Holder, den Diplomaten in einem voll besetzten Restaurant von einem Profikiller des mexikanischen Los-Zetas-Drogenkartells niederstrecken zu lassen. Dass der gebürtige Iraner in das Komplott eingebunden wurde, hatte offenbar taktische Gründe.

Arbabsiar lebte nämlich in der südtexanischen Stadt Corpus Christi, unweit der mexikanischen Grenze, wo er mit Gebrauchtwagen handelte und ein kleines Restaurant betrieb. Von dort aus konnte er problemlos nach Mexiko reisen. Dort suchte er Kontakt zu dem legendären Los-Zetas-Kartell, das für 1,5 Millionen Dollar einen Profikiller schicken sollte, um das Blutbad in der US-Hauptstadt anzurichten.

Mehrmals pendelte Arbabsiar zwischen seiner texanischen Wahlheimat und geheimen Treffpunkten südlich der Grenze. Auch ließ er als Anzahlung einen Geldtransfer in Höhe von 100 000 Dollar veranlassen. Zudem gab es bereits einen geheimen Schussbefehl. „Der Chevrolet steht bereit“, sollte Arbabsiar den Killern via SMS mitteilen, um die Attacke in Gang zu setzen.

Eines aber wusste Arbabsiar nicht: dass er nämlich den Fahndern längst ins Netz gelaufen war. Bei jenem angeblichen Mitglied des Kartells, mit dem er die Einzelheiten der Attacke auf den Botschafter besprach, handelte es sich in Wirklichkeit um einen bezahlten Informanten, der die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA im Kampf gegen Los Zetas unterstützte.

Arbabsiar wurde bereits am 29. September gemeinsam mit einem iranischen Komplizen in New York verhaftet. Im Falle eines Schuldspruchs droht beiden eine lebenslange Freiheitsstrafe. Obwohl die Regierung in Teheran die Vorwürfe energisch zurückwies, beharrte Justizminister Holder darauf, dass die USA die iranische Regierung „in vollem Maße zur Verantwortung ziehen werden“.

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