Ab Montag sagt die EU den Plastiktüten den Kampf an

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr mehr als 71 Stück. In manchen Staaten sollen es sogar 500 pro Kopf sein.

Brüssel. Die EU-Kommission will den enormen Verbrauch an Plastiktüten in Europa mit Steuern, Abgaben oder nationalen Verboten bekämpfen.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik stellt am Montag in Brüssel entsprechende Vorschläge vor. Demnach dürften die EU-Staaten die Tüten künftig sogar verbieten, wie aus einem Entwurf hervorgeht.

Derzeit lässt das EU-Recht dies nicht zu. Zudem werden die 28 EU-Mitgliedsstaaten zu Steuern und Abgaben ermuntert, in Irland hat eine 22 Cent-Abgabe den Tüten-Verbrauch stark reduziert.

Für Deutschland pocht das Umweltbundesamt (UBA) auf eine Bezahlpflicht für alle Plastiktüten. UBA-Präsident Jochen Flasbarth unterstützt die Vorschläge der EU-Kommission. „Für Küstenländer, etwa im Mittelmeerraum, können Verbote sinnvoll sein, in anderen die Einführung von Gebühren oder Abgaben“, sagte Flasbarth.

„Eine Bezahlpflicht für alle Plastiktüten im Einzelhandel kann einen Beitrag zur weiteren Reduktion des Plastikmülls leisten“, sagt Flasbarth. Dazu müsse der Handel die Bezahlpflicht für große Plastiktüten an den Kassen des Lebensmitteleinzelhandels ausweiten — etwa auf Kleidungs-, Schuh-, und Elektrogeschäfte.

Das Problem ist laut EU-Kommission gewaltig: Jeder Europäer verbraucht 198 Plastikbeutel pro Jahr. In Deutschland sind es 71 Tüten. Insbesondere Einwegbeutel wehten in Flüsse oder Meere und schaden der Umwelt. Bis diese sich zersetzen, könne es Hunderte Jahre dauern. Sie zerfallen in kleinste Teilchen und werden von Meerestieren aufgenommen — und gelangen damit in die menschliche Nahrungskette.

In einigen Staaten würden „weit mehr als 400“ Tüten pro Kopf und Jahr verbraucht, wie die Kommission im Gesetzgebungsvorschlag schreibt. In Ländern wie Portugal, Polen, Litauen und Ungarn wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten sogar auf über 500 geschätzt. Red

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