75 Cent pro Liter schocken US-Autofahrer

Der für europäische Verhältnisse spottbillige Treibstoff führt bei den Amerikanern bereits zu Konsumverzicht.

Washington. Steigende Ölpreise und die Sorge, bald umgerechnet 75 Eurocents pro Liter Sprit zahlen zu müssen, könnten nach Ansicht von Experten die USA in die nächste Rezession stürzen.

Vier Dollar für eine Gallone Normalbenzin — selbst die Aussichten auf diesen für europäische Verhältnisse unglaublichen Tiefstpreis führt bei Verbrauchern in den USA bereits dazu, dass sie nun ihre Reisepläne für die anstehenden Osterferien überdenken und überhaupt die Taschen zuhalten wollen. Was wiederum die ganze US-Volkswirtschaft in die Krise bringen könnte.

Vier Dollar pro Gallone — die Zahl stellt für Amerikaner eine wichtige psychologische Preisgrenze dar: Die Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten sowie Warnungen vor einer sich zuspitzenden Ölknappheit treiben die Preise weiter in die Höhe. Beim derzeitigen Wechselkurs entspricht das knapp 75 Eurocents pro Liter.

In den USA wissen die meisten Verbraucher gar nicht, wie gut sie es im Vergleich zu anderen Ländern haben, vorwiegend aufgrund der deutlich niedrigeren Benzinsteuern. „Vier Dollar, unfassbar“ erklärt der Regierungsangestellte Michael Durbin, der in einem Vorort 25 Kilometer von seinem Arbeitsplatz in Washington entfernt lebt.

„Jede Fahrt ins Büro und zurück kostet mich nun mehr als 20 Dollar (14 Euro). Da lohnt es sich fast, die Metro zu nehmen.“ Wie viele andere Familien wollen die Durbins nun ihre Ferienreise nach Florida streichen und stattdessen zu Hause bleiben. Auch melden Reiseveranstalter viele Hotelstornierungen in letzter Minute.

Ein düsteres Szenario zeichnet der Nationalökonom Peter Morici von der University of Maryland. „Die amerikanische Wirtschaft wird vom Privatkonsum getragen“ erklärt Morici. „Wenn die Ölpreise weiter steigen, dann wird dies verheerende Folgen haben.“

Verbraucher würden nicht nur auf Reisen verzichten und der Flugindustrie sowie der Tourismusbranche schaden, glauben Experten, sondern auch den geplanten Kauf eines Neuwagens aufschieben und damit der Autoindustrie einen schweren Schlag versetzen.

Unklar ist Morici ebenso wie vielen anderen nur eines: Vor weniger als drei Jahren hatten die Benzinpreise bereits ein Mal die Marke von vier Dollar überschritten.

Doch anstatt daraus zu lernen und auf sparsamere Wagen umzusteigen — eine Reaktion, die in Europa selbstverständlich erscheint —, erlebten nach Überwindung der Rezession riesige Geländewagen und andere Sprit saufende Straßenkreuzer erneut einen regelrechten Boom.

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