Atomstreit: Nordkorea schürt die Spannungen

Atomstreit: Nordkorea schürt die Spannungen

Das Regime erklärt den Ausstieg aus den Sechs-Länder-Gesprächen.

Pjöngjang. Im Poker um seine umstrittenen Waffenprogramme hat Nordkorea wieder einmal seine höchste Trumpfkarte gezückt. Mit dem erklärten Boykott der sogenannten Sechs-Länder-Gespräche über sein Atomwaffenprogramm fühlt sich das kommunistische Land auch nicht mehr an die bereits getroffenen Abrüstungsvereinbarungen gebunden.

Das erhöht aus der Sicht der Nachbarländer das Risiko, dass die Spannungen wegen des Atomstreits eskalieren und die jahrelangen Verhandlungen auf den Ausgangspunkt zurückgeworfen werden könnten. Doch hoffen Südkorea, Japan, Russland und China auch, dass Pjöngjang an den Verhandlungstisch zurückkehren wird.

Nach Einschätzung von Beobachtern stellt die jüngste Erklärung Nordkoreas die denkbar schärfste Maßnahme auf die Kritik des Weltsicherheitsrat an seinem Raketenstart dar. In der Region wird das Raketenprogramm neben den Nuklearambitionen des Landes als große Bedrohung gesehen.

Wenn man bedenke, dass der Sicherheitsrat den Raketentest verhältnismäßig schwach in der Form einer Präsidentenerklärung und nicht durch eine Resolution verurteilt habe, sei Nordkoreas Antwort schärfer ausgefallen als er erwartet habe, sagt Kim Tae Woo vom Koreanischen Institut für Verteidigungsanalyse in Seoul.

Pjöngjang hatte bereits vor dem angekündigten Raketenstart vom 5. April gewarnt, dass es sofort aus den Atomgesprächen mit den USA, China, Südkorea, Japan und Russland aussteigen werde, sollte der Rat seinen "friedlichen Satellitenstart" kritisieren.

Nachdem die Verurteilung am Montag erfolgt ist, sieht sich Nordkorea jetzt dazu berechtigt, die bereits weitgehend unbrauchbar gemachten Anlagen in seinem Nuklearzentrum Yongbyon wiederherstellen zu können.

Beobachter meinen, in der jüngsten Erklärung ein bekanntes Verhaltensmuster des Regimes zu erkennen. Wann immer sich das Land in die Ecke getrieben fühle, trachte es danach, sich mit einem Paukenschlag wieder zu befreien. D

ies geschieht aus Sicht Südkoreas oft durch die Verschärfung der Spannungen. Seoul befürchtet seit längerem, dass die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu einem begrenzten militärischen Konflikt eskalieren könnten. Pjöngjang unterstellt der Regierung in Seoul seit Monaten eine Politik der Konfrontation.

Die USA hatten erst im Herbst 2008 Nordkorea durch die versprochene, aber verschobene Streichung Nordkoreas von ihrer Liste der "Schurkenstaaten" bewegen können, im Atomstreit einzulenken. Nordkorea hatte zuvor schon damit gedroht, die Produktion von Nuklearmaterial wieder aufzunehmen. Als wahrscheinlich gilt auch diesmal, dass Nordkorea die USA zu bilateralen Verhandlungen zwingen will.

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