Arbeitsmarkt: Schatten und Licht für Obama

Arbeitsmarkt: Schatten und Licht für Obama

Mehr Arbeitslose, aber auch mehr Jobs: Die Bilanz des Präsidenten fällt gemischt aus.

Washington. Die Arbeitslosenquote leicht gestiegen, zugleich aber unerwartet viele neue Jobs: Wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl hat der neueste Jobbericht Amtsinhaber Barack Obama Schatten und Licht beschert. Die Erwerbslosenquote stieg im Oktober leicht auf 7,9 Prozent nach 7,8 Prozent im September, wie das Arbeitsministerium mitteilte.

Zugleich wurden aber binnen Monatsfrist 171 000 neue Stellen geschaffen. Das waren wesentlich mehr, als Experten erwartet hatten. Zudem wurde für die Vormonate das Jobwachstum um 90 000 Stellen nach oben korrigiert. Die Quote der Menschen ohne Job nahm dennoch zu, weil mehr als eine halbe Million Amerikaner zusätzlich auf den Arbeitsmarkt geströmt seien.

Ökonomen werteten die Entwicklung insgesamt positiv. Vor allem die Konsumlaune habe sich verbessert. Einzelhändler etwa hätten so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wie seit April 2011 nicht mehr. Auch der stärkere Häusermarkt und positive Entwicklungen in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor hätten zu den besseren Daten beigetragen.

Nach Einschätzung von Fachleuten zeigen die Daten einen positiven Trend für die US-Wirtschaft auf: „Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen vier Monaten deutlich besser entwickelt als zu Sommerbeginn befürchtet“, sagte Christoph Balz von der Commerzbank. Der Stellenaufbau dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Er werde sich allerdings wegen Risiken in der US-Haushaltspolitik nicht beschleunigen.

Es ist jedoch fraglich, ob Obama im Wahlduell gegen Mitt Romney von den Republikanern noch von dem beschleunigten Jobwachstum profitieren kann. Bei seinem Amtsantritt im Januar 2009 — auf dem Höhepunkt einer tiefen Rezession — lag die Quote bei 7,8 Prozent und damit niedriger als heute.

Romney kritisiert den Amtsinhaber dafür, zu wenig für eine schnellere Erholung getan zu haben. Er betont, dass weiterhin mehr als zwölf Millionen Amerikaner auf der Suche nach einem Arbeitsplatz seien. Zudem wurde seit dem Zweiten Weltkrieg mit Ronald Reagan nur einmal ein Präsident im Amt bestätigt, als die Arbeitslosenquote am Wahltag über sechs Prozent lag.

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