Die USA unter Trump: Antrittsrede von Trump: Kampfansage mit gereckter Faust

Die USA unter Trump : Antrittsrede von Trump: Kampfansage mit gereckter Faust

Trump verkündet auch in Antrittsrede seine populistische Botschaft.

Washington. Zum Ende seiner Antrittsrede streckt Donald Trump die Faust kämpferisch in die Höhe. Die Geste des frischgekürten 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten passt zu seiner Ansprache - sie ist eine Kampfansage. Der 70-Jährige sagt der Washingtoner Elite den Kampf an, die vor der Westfassade des Kapitols versammelt um ihn herumsitzt. Und er kündigt eine rigorose Durchsetzung der US-Eigeninteressen in der Welt an, indem er seinen Kampagnenslogan zitiert: "Von diesem Tag an wird es heißen: 'Amerika zuerst'."

Um punkt 12.00 Uhr legt Trump den Amtseid ab. Und schon wenige Minuten später wird deutlich, dass der neue Präsident keineswegs beabsichtigt, im Amt präsidentieller zu werden. Er ist derselbe Trump, der er im Wahlkampf war. Im Verlauf seiner rund 15-minütigen Ansprache im Nieselregen steigert er seine Lautstärke und Gestik. Immer wieder zuckt die rechte Hand mit dem Kreis aus Daumen und Zeigefinger durch die Luft, während er das Kinn energisch vorstreckt.

Vor allem aber macht Trump an seinen populistischen Aussagen aus dem Wahlkampf keine Abstriche. Dazu gehört das düstere Bild vom Zustand des Landes: Die Mittelschicht darbt, verrottende Fabriken sind "wie Grabsteine" über die Landschaft verstreut, kriminelle Banden treiben ihr Unwesen. "Dieses amerikanische Gemetzel endet genau hier und endet genau jetzt", verkündet der Immobilienmilliardär in drastischer Rhetorik.

Seine Zustandsbeschreibung ist nichts anderes als eine Ohrfeige für den auf dem Podium sitzenden Vorgänger Barack Obama, mit dem er gerade noch Freundlichkeiten ausgetauscht und Tee im Weißen Haus getrunken hat. Es ist eine Zustandsbeschreibung, die erneut viele am Realitätssinn des neuen Präsidenten zweifeln lassen wird, hat doch Obama das Land aus der großen Finanzkrise herausgeführt und sinkt die Arbeitslosenquote seit Jahren.

Schon gleich zu Beginn der Rede dürfte im illustren Kreis, der Trump am Sitz des US-Kongresses umgibt, vielen der Atem gestockt haben. Wie gehabt stilisiert sich der neue Präsident zum Anführer einer Volksbewegung gegen das Washingtoner Establishment: "Zu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt der Nation den Lohn der Regierungsgeschäfte geerntet, während die Menschen die Kosten getragen haben. (...) Das Establishment hat sich selbst geschützt, aber nicht die Bürger unseres Landes."

Nicht weniger drastisch ist Trumps Wortwahl, als er über die von ihm angekündigte Wende in den internationalen Beziehungen spricht: Jahrzehntelang hätten die USA "die Streitkräfte anderer Länder subventioniert", während die eigene Armee ausgetrocknet worden sei. Und in der Wirtschaftspolitik müssten die USA sich wieder "vor den Verwüstungen durch andere Länder schützen, die unsere Produkte herstellen, unsere Firmen stehlen und unsere Jobs vernichten".

Mit seiner Rede macht der Immobilienmogul auch deutlich, dass die Versöhnung des politisch wie gesellschaftlich extrem polarisierten Landes für ihn nicht oberste Priorität hat. Zwar sagt der Rechtspopulist, der im Wahlkampf auf Einwanderer, Muslime, Behinderte und andere Minderheiten losgegangen ist, pathetisch zum Ende der Ansprache: "Ob wir schwarz oder braun oder weiß sind, wir alle haben das gleich rote Blut von Patrioten." Doch abgesehen von solchen Floskeln tut Trump in seiner Rede nichts, um die Wunden des Wahlkampfs zu heilen. Auf der National Mall, der sich vor dem Kapitol erstreckenden Grünanlage, lauschen hunderttausende von Trump-Anhängern aus dem ganzen Land begeistert der Rede ihres Idols. Doch draußen in der Welt dürfte seine Ansprache die durch seinen Wahlsieg ausgelösten Ängste neu angefacht haben. Das Gleiche gilt für seine vielen Gegner im eigenen Land. Am selben Ort, wo jetzt die Trump-Anhänger jubeln, werden am Samstag bei einem Protestmarsch voraussichtlich Hunderttausende ihre Wut über Trump herausschreien. afp