Analyse: Koalitionspoker reißt alte Wunden auf

Analyse: Koalitionspoker reißt alte Wunden auf

Das Verhältnis zwischen Grünen und Linken an der Saar ist vergiftet. Ein Bündnis könnte scheitern.

Saarbrücken. Die politischen Inhalte stehen in Koalitionsverhandlungen im Mittelpunkt, doch die Chemie zwischen den Beteiligten ist nicht weniger wichtig. Zwischen Saarlands Grünen-Chef Hubert Ulrich und einigen Linken ist sie so vergiftet, dass ein rot-rot-grünes Bündnis daran scheitern könnte.

Die Gespräche sind schon belastet, bevor sie richtig begonnen haben. Die Protagonisten kennen sich seit Jahren, mit manchen wechselt Ulrich kein Wort mehr. Vor allem zur Linken-Landtagsabgeordneten Barbara Spaniol ist sein Verhältnis mehr als angespannt.

Sie war 2004 für die Grünen in den Landtag eingezogen und 2007 in das Lager von Oskar Lafontaine gewechselt. Mit Spaniol nun in einer Koalition zusammenzuarbeiten, ist für Grünen-Landeschef Ulrich schwer vorstellbar. Die alten Wunden prägen den eben gestarteten Machtpoker an der Saar.

"Dafür muss Oskar Lafontaine ein Lösung finden", verlangt Ulrich vom Spitzenkandidaten und Bundesparteichef der Linken. Wie die Lösung aussehen könnte, lässt er aber offen. Die Frage nach Spaniol und ihrem neuen Landtagskollegen Ralf Georgi scheint dabei fast wichtiger zu sein als etwa die unterschiedlichen Positionen beim Thema Kohle oder bei der Familienpolitik.

"Das ist das Hauptproblem. Lafontaine hat mindestens zwei problematische Abgeordnete, die eine Koalition unsicher machen", sagt Ulrich. Aber auch bei Themen müsse die Linke nachbessern. Etwa bei der Familienpolitik, die erzkonservativ sei. "Das können wir so nicht mittragen, da wird die Linkspartei richtig Kreide fressen müssen."

Bei der Linken gibt man sich entrüstet. "Wahlkampfgetöse im Nachhinein" sei das, sagt Landeschef Rolf Linsler. Spaniol selbst hat Anfang der Woche jede Form von Rückzug abgelehnt. Es müsse um die Inhalte gehen, sagte sie.

Bei der SPD ist man alarmiert. Rot-Rot-Grün ist die einzige Chance für Landeschef Heiko Maas, CDU-Ministerpräsident Peter Müller abzulösen.

Und der lockt die Grünen noch vor den ersten Gesprächen mit Geschenken: Über die geforderte Abschaffung der Studiengebühren oder ein striktes Nichtraucherschutzgesetz lasse er mit sich reden. Intern bereitet derweil die Union weitere Leckerbissen vor, um Ulrich und seinen Leuten ein Jamaika-Bündnis mit Union und FDP schmackhaft zu machen.

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