Analyse: Dieter Althaus will es den Zweiflern zeigen

Analyse: Dieter Althaus will es den Zweiflern zeigen

Nach seinem Skiunfall von Neujahr greift Thüringens Ministerpräsident wieder ins politische Geschehen ein.

Erfurt. Der Skiunfall, bei dem eine Frau ihr Leben verlor und er selbst sich schwer verletzte, hat Dieter Althaus in eine Krise gestürzt. Monatelang wurde über den Gesundheitszustand des Thüringer CDU-Ministerpräsidenten, seine Schuld am Tod der 41-Jährigen, das Geldstrafen-Urteil wegen fahrlässiger Tötung und Althaus’ Comeback diskutiert. Am Montag meldet er sich nun offiziell in der Politik zurück.

Fast vier Monate nach den tragischen Ereignissen am Neujahrstag in Österreich sitzt der 50-Jährige ab Montag wieder an seinen Schreibtisch in der Erfurter Staatskanzlei. Dort liegt ein voller Terminkalender. Fast scheint es, als wolle sich der CDU-Spitzenmann einem Belastungstest unterziehen, um Zweiflern seine Fitness zu beweisen. "Althaus nimmt seine Amtsgeschäfte wieder vollumfänglich wahr", kündigt sein Sprecher Fried Dahmen an. "Aber es wird nicht sofort 14- Stunden-Tage geben."

Hinter Althaus liegen die schwersten Wochen seines Lebens - "gesundheitlich, aber auch moralisch-emotional" -, sagte er im internen Kreis. Seit dem 18. März, an dem er die Reha-Klinik in Allensbach am Bodensee verließ, hat sich Althaus in seinem Nordthüringer Heimatort Heiligenstadt ambulanten Behandlungen unterzogen und von der schweren Kopfverletzung erholt. Er wolle "die Kräfte stabilisieren" und freue sich auf die Übernahme der Amtsgeschäfte - "nach dieser langen Phase der erzwungenen Abstinenz".

In Thüringen hat der Landtagswahlkampf begonnen. Die Opposition, die sich bisher am "Phantom Althaus" abarbeitete, gibt sich mit Blick auf den Wahltag 30. August kampfeslustig. Die Schonzeit ist für Althaus, der laut CDU-Landesgeschäftsführer Andreas Minschke seit Anfang April "in alle Entscheidungen eingebunden ist", längst beendet. "Wir gehen mit ihm so um, wie die Opposition mit einem Regierungschef umgeht", sagt SPD-Herausforderer Christoph Matschie. "Seine Bilanz ist schlecht. Althaus hat viele Probleme nicht gelöst, auch Fehlentscheidungen getroffen." Der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, sieht die Regierung ob der Probleme im Land ebenfalls unter Zugzwang.

Nach einer repräsentativen Umfrage aus dem März liegt die CDU derzeit bei 36 Prozent und damit weit von der absoluten Mehrheit entfernt, mit der sie seit zehn Jahren allein regiert. Zudem mehren sich die Zeichen der Wirtschaftskrise, die nicht nur die 1700 Beschäftigen des Eisenacher Opel-Werks um ihre Zukunft bangen lässt.

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