Analyse: Die globalen Folgen der US-Finanzspritze

Analyse: Die globalen Folgen der US-Finanzspritze

Die Geldpolitik der Notenbank Fed schwächt den Dollar. Das schadet den Exportnationen.

Berlin. DieUS-Notenbank Fed will mit dem erneuten Ankauf von Staatsanleihen dieKonjunktur ankurbeln. Die Entscheidung hat globale Auswirkungen und gilt als umstritten.

Nein. Die größte Gefahr für die westlichen Industrieländer ist aufkurze Sicht nicht Inflation, sondern eher Deflation, also sinkendePreise. Wie fatal dies für eine Volkswirtschaft ist, zeigt das BeispielJapan. Dort lähmen seit zwei Jahrzehnten extrem geringePreissteigerungen oder sogar rückläufige Preise in Verbindung mitsinkenden Löhnen und höheren Schulden die ganze Wirtschaft.

Ja und nein. Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt, einejahrelange Schwächung würde auch den Rest der Welt in Mitleidenschaftziehen. Allerdings sind die Leitzinsen dort bereits so niedrig, dass die Fed sie nicht weiter senken kann. Sie versucht daher, das Zinsniveau an den Märkten über den Umweg Staatsanleihen-Kauf weiter zu drücken.Gelingt dies nicht, sind der Fed praktisch die Hände gebunden - was dasVertrauen in ihre Geldpolitik weltweit erschüttern würde.

Der Dollar verliert tendenziell durch die Maßnahmen im Vergleich zuanderen Währungen an Wert. Für die US-Amerikaner ist das ein Vorteil,weil ihre Unternehmen dann mehr exportieren können - was angesichts desUS-Handelsdefizits und des derzeit schwachen Konsums auch dringendgeboten ist.

Andere Länder, allen voran Japan, aber auch Deutschland, wünschensich für ihre eigenen exportorientierten Unternehmen aber lieber einenstärkeren Dollar. In erfolgreichen Schwellenländern wiederum haben sichdie nationalen Währungen zuletzt im Vergleich zum Dollar zusätzlichverteuert, weil Anleger diese Märkte für sich entdeckt und dort Kapitalinvestiert haben.

Eigentlich ist dies ein Widerspruch, denn der Erfolg ist ungewiss.Trotzdem haben sich Märkte anscheinend "geeinigt", ein Auge zuzudrückenund auf ein gutes Ende zu spekulieren. Manche Experten halten es auchfür möglich, dass dabei neue Blasen entstehen.

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