Analyse: Das Abendmahl spaltet die Christen

Analyse: Das Abendmahl spaltet die Christen

Der Streit belastet den für 2010 geplanten Kirchentag von Katholiken und Protestanten.

Bremen. Mit dem Kirchentag ist es wie mit der Bibel: Die 2500 Veranstaltungen ließen viel Raum für Interpretation und unterschiedliche Sichtweisen. Im traditionellen Dreiklang von Frömmigkeit, politischer Debatte und Kulturfest fiel das fünftägige Protestantentreffen in Bremen manchen Beobachtern diesmal zu brav aus; andere empfanden den Mangel an plakativen Forderungen und die eher nachdenkliche Grundstimmung dagegen gerade als angemessene Reaktion auf die allgegenwärtige Krise.

In jedem Fall haben die mit großer Ernsthaftigkeit geführten Diskussionen aber gezeigt, dass die evangelische Laienbewegung die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung nicht nur an Politik und Wirtschaft richtet, sondern auch an sich selbst. "Kritik an anderen Religionen ist umso glaubwürdiger, je mehr sie mit Selbstkritik verbunden ist", sagte der evangelische Theologe Christoph Schwöbel beim erstmals zum Kirchentag initiierten interreligiösen Trialog zwischen Christen, Juden und Muslimen.

Das bleibt im 60. Jahr seines Bestehens die große Stärke des Kirchentags: Das gesellschaftliche Engagement der protestantischen Basis zeigt sich in seiner ganzen Breite und dient damit gleichzeitig als Ermutigung für die Teilnehmer, sich weiter einzubringen und nicht in passiver Krisenpanik zu verharren.

Wie weit dieser Nährboden der Zuversicht auch ökumenisch trägt, wird sich schon auf dem Weg zum 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai 2010 in München zeigen. In Bremen wurden wieder Forderungen laut, endlich in der noch ungelösten Frage des gemeinsamen Abendmahls voranzukommen.

Der prominente Theologe Friedrich Schorlemmer forderte andernfalls gar zum Boykott von München auf. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, erklärte dagegen, die Haltung seiner Kirche werde sich in dieser Frage nicht ändern.

Erschwert wird der Weg nach München auch durch die unterschiedliche Wertung der Laienbewegung: Während Katrin Göring-Eckardt, neue Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), selbstbewusst ein stärkeres Gewicht der Laien in der Kirchenleitung einfordert, die auch im EKD-Rat ohnehin schon in der Mehrheit sind, hat eine konservative Minderheit der Bischofskonferenz die katholische Laienbewegung gerade aufs Äußerste brüskiert: Sie verweigerten dem designierten Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Heinz-Wilhelm Brockmann, die erforderliche Mehrheit.

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