Analyse: CDU-Parteitag - Für Angela Merkel geht es um 90 Prozent plus

Analyse: CDU-Parteitag - Für Angela Merkel geht es um 90 Prozent plus

Die Kanzlerin steht beim Parteitag zur Wiederwahl. Doch der konservative Flügel ist unzufrieden.

Düsseldorf. Seoul - Karlsruhe - Lissabon: Angela Merkels Terminkalender ist in diesen Tagen dicht gefüllt. Doch zwischen dem G20-Treffen in Südkorea und dem Nato-Gipfel in Portugal dürfte ihr Stopp in Karlsruhe von besonderer Bedeutung sein.

Auf dem Bundesparteitag der CDU am Montag und Dienstag geht es für die Kanzlerin darum, die in Umfragen arg gebeutelte Partei zusammenzuschweißen und eine klare Richtung vorzugeben. Profilschärfung heißt die Devise.

An Merkels Wiederwahl als Vorsitzender gibt es keinen Zweifel. Fraglich ist aber, ob sie die magische Grenze von 90 Prozent erreicht. Entscheidend wird sein, ob die Delegierten die Parteichefin für das schlechte erste Regierungsjahr von Schwarz-Gelb verantwortlich machen.

Eine Zustimmung unter 90 Prozent wäre für sie Warnung und Schwächung zugleich. Insbesondere die Konservativen in der CDU - nach einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung rund ein Viertel der Mitglieder - begehren auf. Merkel sei zu weit nach links gerückt, so ihre Kritik.

Das wird sich durch die anstehende Wahl der Stellvertreter nicht ändern. Ausgewiesene Konservative wie der zum Baukonzern Bilfinger Berger gewechselte Roland Koch treten nicht mehr an. Gesetzt sind hingegen Norbert Röttgen, Umweltminister und neuer CDU-Chef in NRW, sowie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen.

Der eine steht für eine ökologische Erneuerung, die andere für ein modernes Frauenbild. Und beide zusammen dürften die Kanzlerin darin unterstützen, die Union in eine vorwärtsgewandte Partei ohne Ideologie zu verwandeln.

Die Zerrissenheit der CDU zeigt sich gut beim sensiblen Thema Präimplantationsdiagnostik (PID). Laut Grundsatzprogramm ist die CDU für ein Verbot. Nachdem jedoch der Bundesgerichtshof die PID als zulässig einstufte, führt an einer neuen Bewertung kein Weg vorbei.

Merkel bedient hier den konservativen Flügel - sie ist dagegen, solche Gentests an Embryonen zu erlauben. Doch hat sie in Ursula von der Leyen eine prominente Widersacherin.

Merkel selbst hat ihre Zukunft indirekt an den Ausgang der Wahl in Baden-Württemberg geknüpft. Ohne Not hatte sie sich hinter das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 und Ministerpräsident Stefan Mappus gestellt. Verliert die CDU im März ihre Macht, ist auch Merkel angezählt.

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