Ärzte sind empört: Apotheker sollen gegen Grippe impfen

Groko will Rechtslage ändern : Ärzte sind empört: Apotheker sollen gegen Grippe impfen

Die Grippeschutzimpfung Die Koalition will die rechtliche Grundlage dafür schaffen. Ärzte reagieren empört. Die Techniker Krankenkasse äußert sich dagegen positiv.

Die große Koalition will Apothekern erlauben, Grippeschutzimpfungen durchzuführen. Bislang dürfen das nur Ärzte. Ziel der geplanten Gesetzesänderung ist es, die Impfquoten zu erhöhen. Zuletzt ließ sich nur jeder Zehnte in Deutschland gegen das Influenza-Virus impfen.

Geplant sind zunächst regionale Modellprojekte, die den Apothekern ausschließlich das Impfen gegen Grippe ermöglichen. Als Zielgruppe kommen nur Erwachsene in Frage, keine Kinder. Die Apotheker müssen vorher eine entsprechende Schulung absolviert und geeignete Räume zur Verfügung haben. Die Modellprojekte sollen höchstens fünf Jahre laufen und wissenschaftlich begleitet werden, um zu erfahren, ob sich die Impfquoten dadurch erhöht haben.

Kassen müssen mit Apothekern Vereinbarungen treffen

Wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte, soll die Regelung Teil des Masernschutzgesetzes werden, das eine Pflicht zur Impfung gegen Masern bei Kindern und Erziehern vorsieht. Das Gesetz werde vermutlich im Frühjahr 2020 in Kraft treten. Ob die Modellprojekte zeitgleich starten könnten, sei offen. Zunächst müssten zwischen den Krankenkassen und Apothekern auf Landesebene entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. In jedem Fall gehe es um ausgewählte Regionen, nicht um ein flächendeckendes Angebot.

Bei der Techniker Krankenkasse (TK), Marktführer unter den gesetzlichen Kassen hierzulande, kommen die Pläne gut an. „Die Idee der Modellprojekte begrüßen wir. Ob diese Maßnahme sinnvoll ist, muss sich erst noch erweisen. Daher kann ein evaluiertes Modellprojekt die notwendigen Erkenntnisse liefern“, heißt es bei der TK NRW.

„Lasst Apotheker gegen Grippe impfen, wenn wir so die Durchimpfungsrate erhöhen und viele Grippetote vermeiden können“, sagte der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann. Er verwies darauf, dass Apothekern in Frankreich und der Schweiz das Impfen erlaubt sei. Dagegen reagieren Ärztevertreter empört. Der Plan überschreite die Grenzen der Heilberufe und sei „so nicht hinnehmbar“, so der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. „Impfungen gehören nicht in eine Apotheke, das haben Apotheker nie gelernt.“

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind im Winter 2017/18 in Deutschland 25 100 Menschen an der Grippe gestorben – es war die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren. Zahlen für 2018/19 liegen noch nicht vor, sie dürften aber niedriger liegen. Pro Jahr erkranken in Deutschland zwischen zwei und 14 Millionen Menschen an Influenza.

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