Abgesägter Gedenkbaum in Zwickau: Rechtsextremes Wurzelwerk

Meinung : Rechtsextremes Wurzelwerk

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hält die Mordserie noch nicht für restlos aufgeklärt. Für diese Aussage hätte es eines abgesägten Gedenkbaums nicht bedurft.

Anlässlich des Abschlussberichts des NSU-Untersuchungsausschusses in Thüringen sagte der dortige Innenminister Georg Maier (SPD) der „Welt“: „Ich mache mir große Sorgen um die Entwicklung im rechtsextremistischen Milieu. Die neuen Gefahren sind keine simple Fortsetzung des NSU. Aber sie haben wie damals sehr viel mit Wegschauen und Gleichgültigkeit zu tun.“ Maier hält die Mordserie noch nicht für restlos aufgeklärt.

Für diese Aussage hätte es eines abgesägten Gedenkbaums nicht bedurft. Aber die Tat symbolisiert die so schamlose wie schändliche Sympathie, die selbst ein Rechtsextremismus genießt, der vor Morden nicht zurückschreckt. Und sie symbolisiert eine unfassbare Ignoranz gegenüber dem Leid, das der Staat den Opfern durch falsche Verdächtigungen angetan hat.

Die Stadt Zwickau mag überlegen, ob sie den Gedenkbaum ersetzen und die weiteren geplanten pflanzen will. Bei der Bekämpfung des rechtsextremen Wurzelwerks dagegen bleibt dem Staat nicht mehr die geringste Bedenkzeit.

Mehr von Westdeutsche Zeitung