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9/11 - George W. Bush dachte zuerst an einen Unfall

9/11 - George W. Bush dachte zuerst an einen Unfall

Erstmals äußert sich Ex-Präsident George W. Bush zu seinen Gefühlen nach den Anschlägen auf das World Trade Center.

Washington. Zum ersten Mal hat der frühere US-Präsident George W. Bush seine anfängliche Ratlosigkeit nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingeräumt.

Zunächst habe er an einen Unfall geglaubt, erzählte Bush in einem Interview mit dem Fernsehsender National Geographic, nach dem Angriff auf das Pentagon aber schließlich begriffen, dass Amerika vor einem neuen Krieg steht.

Es waren Bilder, die Fernsehzuschauer nie vergessen werden: Wenige Minuten, nachdem um 8 Uhr 46 am Morgen des 11. Septembers die erste Linienmaschine in den Nordturm des World Trade Center geflogen war, sitzt der Führer der freien Welt in einem Klassenzimmer in Florida, wo er für seine Schulreform werben wollte.

Stabschef Andy Card bückt sich nach vorn und flüstert dem Präsidenten etwas ins Ohr. Bush verzieht den Mund und starrt scheinbar fassungslos zur Seite.

Anlässlich des bevorstehenden 10. Jahrestags der Anschläge erzählte Bush nun erstmals, was ihm in diesen schicksalhaften Momenten durch den Kopf ging. Zunächst war er sicher, dass sich das Flugzeug wegen schlechten Wetters verirrt hatte oder „dem Piloten etwas passiert war“, berichtet der Ex-Präsident und schildert zugleich, wie sich mit jeder weiteren Attacke seine Bewertung der Lage dramatisch änderte.

Als 17 Minuten später ein zweites Flugzeug den Südturm traf, wusste er, dass es sich um einen Angriff handelte. Nachdem sich die Serie von Anschlägen aber fortsetzte und Flug 77 in das Pentagon, die militärische Befehlszentrale der USA stürzte, wurde ihm klar, dass es sich „um eine Kriegserklärung handelt“.

Zwar waren seine Emotionen von ungeheurer Wut geprägt. Dennoch war sich Bush seiner Verantwortung gegenüber seinem Publikum bewusst und wollte vor einem Klassenzimmer voller junger Schüler „bewusst Ruhe ausstrahlen“. Schwierig gestalteten sich auch die Stunden und Tage danach.

Inmitten der heillosen Verwirrung, als niemand wusste, ob es auch weitere Anschläge in Washington geben würde, stellte sich die Frage, von wo aus sich der Präsident an die Nation wenden sollte.

Trotz massiver Proteste seitens seiner Berater entschloss sich Bush, im Kapitol aufzutreten. „Ich war verdammt sicher, keine Rede von einem Bunker in Nebraska aus halten zu wollen“, das hätte den Terroristen einen „psychologischen Sieg“ beschert.

Nachdenklich aber zugleich bemerkenswert gelassen gibt der Ex-Präsident zu, in der Zeit danach über „keine Strategie“ verfügt zu haben. „Ich lebte von Tag zu Tag“, sagte Bush. Sicher erschien ihm jedenfalls, dass nun Amerika mit einer „neuen Sorte von Feind“ zu kämpfen hatte. „So sieht Krieg im 21. Jahrhundert aus“, dachte sich der Präsident.

Erleichterung habe er erst empfunden, als ihn sein Nachfolger Barack Obama vor einigen Monaten anrief und ihm mitteilte, dass Elitetruppen der Navy Seals Osama bin Laden in Pakistan aufgespürt und erschossen hatten.