Zwölfjährige Bahia Bakari überlebt Flugzeugabsturz

Zwölfjährige Bahia Bakari überlebt Flugzeugabsturz

Flugzeug-Absturz: Bahia Bakari (12) kann nicht schwimmen, hielt sich aber stundenlang über Wasser.

Moroni/Paris. Sie ist gerade mal zwölf Jahre alt, sehr schüchtern und kann kaum schwimmen. Trotzdem hat Bahia Bakari als Einzige den Absturz eines jemenitischen Airbus vor den Komoren überlebt - und das mit vergleichsweise geringfügigen Verletzungen. "Ein Wunder", sagen übereinstimmend alle, die das junge Mädchen gesehen haben.

Bahia lebt nach Angaben ihres Vaters Kassim Bakari mit ihrer Familie in Corbeil-Essonne bei Paris. Mit ihrer Mutter wollte sie Verwandte in einem Dorf auf den Komoren besuchen. An Bord des Flugzeugs hatte sie schon tausende Kilometer und mehrere Zwischenlandungen hinter sich, als es plötzlich schwarz um sie herum wurde.

"Sie wurde aus der Maschine geschleudert", erzählte ihr Vater, der zwei Mal mit ihr im Krankenhaus telefonieren konnte, dem französischen Radiosender RTL. "Sie fühlte gar nichts. Dann fand sie sich im Wasser wieder. Es gelang ihr, sich an irgendetwas festzuklammern." Sie habe auch noch Stimmen gehört, "doch in der Dunkelheit konnte sie niemanden sehen". Fast zehn Stunden trieb sie im Wasser, dann entdeckten Rettungskräfte die Kleine zwischen Leichen und Trümmerteilen.

"Wir warfen ihr einen Rettungsring zu, doch in der stürmischen See konnte sie nicht danach greifen", sagte einer ihrer Retter dem Sender Europe 1. "Schließlich sprang ich selbst ins Wasser, um sie zu holen." Sie habe gar nicht mehr aufgehört zu zittern. "Wir wickelten sie in vier Decken, wir gaben ihr heißes Wasser und Zucker." Dann brachten sie das Mädchen auf die Intensivstation des Krankenhauses in der Hauptstadt Moroni.

"Es ist wirklich, wirklich ein Wunder", sagt der Leiter des Krisenstabs in Moroni, Ibrahim Abdoulazeh. "Dieses junge Ding kann kaum schwimmen." Auch ihr Vater kann es nicht glauben. "Sie ist sehr scheu. Ich hätte nie gedacht, dass sie so etwas schaffen würde", sagte Kassim Bakari. Die Ärzte hätten ihm gesagt, sie habe lediglich ein gebrochenes Schlüsselbein und Brandwunden am Knie. Er sagte: "Ich denke, der liebe Gott hat es so gewollt."

Bahia ist nach Angaben ihres Arztes Ben Imani bei vollem Bewusstsein, doch würden ihr nicht "zu viele Fragen" gestellt. "Angesichts des Schocks, den sie erlebt hat, ist sie erstaunlich ruhig. Ich würde sogar sagen, dass sie zu ruhig ist." Bisher durfte nur der für Entwicklungshilfe zuständige Staatssekretär, Alain Jo-yandet, zu ihr. Er will sie so schnell wie möglich mit einer Regierungsmaschine nach Frankreich bringen.

Kassim Bakari kann es kaum erwarten, seine älteste Tochter in die Arme zu schließen. Sie sei bisher sehr gefasst und stark gewesen. Allerdings kennt sie die schlimmste Nachricht noch nicht - dass ihre Mutter ebenso wie die anderen 151 Mitreisenden den Absturz aller Wahrscheinlichkeit nicht überlebt hat. Am Telefon habe sie nach der Mutter gefragt, sagt Bakari. Er habe ihr gesagt, dass sie im Nebenzimmer liege.

"Ich kann es ihr nicht sagen", stößt er hervor. "Wer wird es ihr sagen? Ich kann das nicht." Er wisse noch nicht einmal, wie er es seinen anderen Kindern (2, 8 und 10 Jahre alt) beibringen soll.

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