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Zoo in Gelsenkirchen: Die vierte Erlebniswelt ist virtuell

Zoo in Gelsenkirchen: Die vierte Erlebniswelt ist virtuell

Der Zoo setzt neben den Bereichen Alaska, Afrika und Asien für die neue Saison auch verstärkt auf digitale Angebote.

Gelsenkirchen. Mary hat Geburtstag. Sie reckt den Hals nach der Torte, die aus Luzerne, einem Kleegewächs, und Brennnesseln besteht. Giraffen lieben so etwas. Geboren ist Mary vor 14 Jahren in Hannover. Jetzt lebt sie in Gelsenkirchen — in der Zoom-Erlebniswelt, Abteilung Afrika.

Zoo in Gelsenkirchen: Die vierte Erlebniswelt ist virtuell
Foto: dpa

Afrika gibt es in Gelsenkirchen seit elf Jahren, Alaska schon seit 2005. Am jüngsten ist Asien: Es wurde 2013 eröffnet. Mit den drei naturnah gestalteten Arealen auf dem Gelände des ehemaligen Ruhr-Zoos haben sich die Stadtwerke Gelsenkirchen als Eigentümer der Zoom-Erlebniswelt an die Spitze der nordrhein-westfälischen Zoos katapultiert: 800 000 Besucher haben im vergangenen Jahr den Weg in den Tierpark gefunden.

Zoo in Gelsenkirchen: Die vierte Erlebniswelt ist virtuell
Foto: Zoom

Aber der Erfolg will verteidigt werden: erstens, weil Zoos trotz der Beliebtheit ein Zuschussgeschäft bleiben. Gelsenkirchen muss jährlich gut sechs Millionen Euro zuschießen, profitiert aber andererseits auch von dem Ruf als zweite große Attraktion der Stadt neben Schalke 04. Und zweitens, weil die digitale Welt gerade beim Kampf um das junge Publikum eine immer größere Konkurrenz darstellt. In Gelsenkirchen arbeitet man darum daran, die beiden Welten noch stärker zu verbinden.

So wird die Zoo-App bis zum Frühsommer über Bluetooth mit auf dem Gelände verteilten Minisendern verbunden, den sogenannten Beacons. Nähert man sich einem Gehege, an dem sie installiert sind, erscheint eine Push-Nachricht auf dem Bildschirm. Dann können Zusatzinformationen über die jeweiligen Tiere und ihren Lebensraum aufgerufen werden. Die Inhalte kommen künftig vom Wissensmagazin „Geo“, mit dem die Zoom-Erlebniswelt eine Partnerschaft eingegangen ist. Über eine neue 360-Grad-App ist außerdem eine digitale Zoom-Safari mit Quizfragen, Filmen und Spielen möglich.

Aber auch ein Ausflug in die virtuelle Realität ist ab dem Saisonstart am Wochenende machbar. Studenten der Fachrichtung Informatik und Kommunikation der Westfälischen Hochschule haben mit „Zoom-Mission“ ein Virtual-Reality-Spiel entwickelt, mit dem ein Ranger-Team aus Fahrer und Fänger im Regenwald entlaufene Tiere einfangen und zurück ins Gehege bringen kann. Die Spieler haben dabei spezielle Digitalbrillen auf, sitzen auf einem Jeep und haben ein Jagdgewehr zur Betäubung in der Hand. Der echte Luchs Findus, der im Januar zwischenzeitlich entlaufen war, längst aber wieder in die Zoom-Erlebniswelt zurückkehrt ist, stand im Übrigen nicht Pate — so schnell sind selbst die ehrgeizigen Entwickler der Hochschule nicht.

Nahe dem Gehege der Orang-Utans in der Erlebniswelt Asien entsteht auf 65 Quadratmetern bis zum Frühsommer außerdem eine deutschlandweit einzigartige Verbindung von tatsächlicher und virtueller Realität, eine Augmented Reality (erweiterte Realität). Wenn die Besucher die Installation „Green Planet“ betreten, werden sie auf der Leinwand Elefanten, Orang-Utans, Komodowarane (eine Echsenart) und große Pandas durch das Unterholz des Dschungels ziehen sehen. Gleichzeitig wird ihr Bild in die Szene projiziert, so dass sie tatsächlich mitten im Geschehen scheinen. Der Grundstein für den „Green Planet“ wurde am Donnerstag gelegt.

Wer nach so viel Virtual und Augmented Reality wieder Sehnsucht nach echten Tieren hat, kann sich unter den insgesamt 900 Zoobewohnern auf dem Gelände zum Beispiel in Asien auf die Suche nach dem kleinen Trampeltier-Hengst machen, der am vergangenen Samstag geboren ist.

Seit Donnerstag hat er auch einen Namen: Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski hat ihn aus drei vom Tierpfleger in ausgeblasenen Ostereiern versteckten Vorschlägen gezogen. Das Trampeltier heißt jetzt Hidalgo. Das spanische Wort fängt nicht nur mit demselben Buchstaben an wie sein Vater Harry, es adelt auch das zu Unrecht als Schimpfwort missbrauchte Geschöpf: Übersetzt heißt der kleine Trampel jetzt Edelmann.

Dazu bekommt die Publikumsattraktion der Erdmännchen bald Konkurrenz. Eine ehemalige Voliere wird zu einem Revier für Zwergmangusten umgebaut. Zwei Männchen aus Nürnberg und zwei Weibchen aus dem Opel-Zoo Kronberg leben schon in Quarantäne in Gelsenkirchen und werden dann schrittweise miteinander vertraut gemacht. Sind sie sich nähergekommen, werden sich die possierlichen Säugetiere aus dem östlichen und südlichen Afrika auch dem Publikum stellen.