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Köln: Zehntausende protestieren gegen AfD

Köln : Zehntausende protestieren gegen AfD

Blockade, Demos, Karneval: Die Proteste bleiben weitgehend friedlich.

Köln. Den Kölnern wird gern vorgeworfen, dass sie aus allem eine Feier machen. Aber wer sagt, dass Protest nur ernst sein muss? „Protest kann auch fröhlich sein und Spaß machen“, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Das beweisen Zehntausende Menschen am Samstag an verschiedenen Orten in der Stadt.

Die beste Nachricht ist, dass die Proteste gegen den AfD-Parteitag weitgehend friedlich verlaufen. Die Polizei zieht nach dem größten Einsatz in Kölns Geschichte eine positive Bilanz und listet nur wenige Vorfälle auf. In Deutz hätte ein Auto gebrannt, 100 Personen seien kontrolliert worden, sagt Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Bei einem Angriff auf einen AfD-Vertreter mit einer Stange sei ein Polizist leicht verletzt worden. Ein weiterer musste ambulant behandelt werden. Am Rhein stehen sich Teilnehmer eines Sternmarschs und die Polizei mehrere Stunden gegenüber, aber es bleibt bei Provokationen und Schubsereien. Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte noch zwei Tage zuvor erklärt, man erwarte Hunderte gewaltbereite Linksextremisten. Zum Glück kommt es anders. Eine Fahrradblockade findet in Höhe des Dorint-Hotels am Rudolfplatz statt, in dem viele der AfD-Delegierten übernachten. Trotzdem kommen sie alle mit Hilfe der Polizei ins Maritim. Buhrufe und „Nazis raus“-Sprechchöre müssen sie allerdings ertragen.

Mirela und Fabio Martina sind derweil eins von 13 Hochzeitspaaren, die an diesem Samstag im Rathaus heiraten. Sie werden von Polizisten eskortiert. Acht andere Paare sind aus Sorge lieber nach Porz ausgewichen, erklärt Standesamtsleiterin Angelika Barg.

Um 12.30 Uhr beginnt auf dem Heumarkt die Kundgebung von „Köln stellt sich quer“. Mehr als 80 Organisationen und Verbände, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien haben zum Protest aufgerufen, mehr als 10 000 Menschen kommen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagt in Richtung AfD: „Wahrscheinlich zählt für sie nicht mal die Würde von Lukas Podolski, weil dieser Ur-Kölner in Polen geboren ist. Das ist es, wogegen wir aufstehen.“ Der Applaus ist ihr sicher, Podolski zieht in Köln immer. Eine Stunde später treten Bands wie die Bläck Fööss, die Höhner, Brings, Kasalla, Cat Ballou und viele andere auf einer Bühne im Kölner Grüngürtel auf. Karneval mitten im April. „Egal, wie man ist, lebt und liebt — in Köln ist jeder willkommen. Nur wer fremdenfeindlich ist, hat hier nichts zu suchen“, sagt Organisator Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval.