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Zehn Jahre nach dem Absturz eines Mythos

Zehn Jahre nach dem Absturz eines Mythos

In Paris kamen beim Start der Concorde 113 Menschen ums Leben.

Düsseldorf/Mönchengladbach. "Ich will einfach nur da sein und gedenken", sagt Norbert Tellmann. Der 56-jährige Gladbacher verlor vor zehn Jahren seine Eltern Margarete und Werner. Sie starben am 25. Juli 2000 mit weiteren 111 Menschen qualvoll, als bei Paris die schnellste Maschine der Welt mit Namen Concorde in einem Feuerball aufging.

Der vielfache Tod löste große Trauer und Ohnmacht aus, er beendete aber auch den Mythos des Überschallfliegers. Drei Jahre nach der Katastrophe von Gonesse stellten die Betreiber British Airways und Air France den Betrieb des bis dahin Faszination auslösenden Vogels ein. Tellmann wird am Sonntag mit zwei seiner drei erwachsenen Kinder nach Paris fliegen und an einer schlichten Gedenkfeier teilnehmen, abends geht es wieder zurück.

97 der Opfer kamen aus Deutschland, viele aus NRW, allein 13 aus Mönchengladbach, je zwei aus Jüchen und Düsseldorf. Wie die Tellmanns wollten die meisten ab New York mit der MS Deutschland in die Karibik auslaufen. Ein Traum, der im Absturz endete.

Zehn Jahre nach der Katastrophe gibt es noch immer Streit über die Ursache des Todesfluges. Im Dezember wollen die Richter am Strafgericht in Pontoise bei Paris ein Urteil über den mutmaßlich Schuldigen fällen. Die Concorde sei beim Start vom Großflughafen Charles de Gaulle über ein Metallstück gerollt. Das wiederum sei vorher von einer Continental-Maschine gefallen, glaubt die Staatsanwaltschaft. Dabei platzte ein Reifen der Concorde, Gummiteile zerstörten einen großen Tank des Flugzeugs, und das auslaufende Kerosin fing Feuer. Die Fluggesellschaft Continental weist das zurück.

Nicht nur zwei Continental-Mitarbeiter sollen laut Anklage 18Monate auf Bewährung erhalten, auch der damalige Chef des Concorde-Programms, der inzwischen 80-jährige Henri Perrier, soll mit zwei Jahren zur Bewährung büßen. Ihm sei die Anfälligkeit der Concorde bekannt gewesen.

Für die Hinterbliebenen hat das Urteil kaum Bedeutung. Etwa 700 Angehörige der Opfer einigten sich kurz nach dem Inferno mit Air France auf Entschädigungen. 173Millionen Euro sollen geflossen sein.

Auch das Gladbacher Ehepaar Rita und Werner Wörmann wollte damals mit der Concorde nach New York und von dort auf Karibik-Kreuzfahrt. Doch in der Maschine war kein Platz mehr für die beiden. Die enttäuschten Odenkirchener buchten bei der Lufthansa - sie flogen ab Düsseldorf und am Tod vorbei.