Wolfram Siebeck: Ein Feinschmecker mit Mission

Wolfram Siebeck: Ein Feinschmecker mit Mission

Gastrokritiker Wolfram Siebeck möchte den Deutschen Lust auf gesundes und frisches Essen machen.

Mahlberg. Wolfram Siebeck behält seine spitze Feder und sein Lieblingsthema. Doch er wechselt das Medium. „Ich bin jetzt Blogger“, sagt der 83-Jährige. Seine meist bissigen Beiträge tippt er nun fürs Internet.

Siebeck ist einer der bekanntesten Gastronomiekritiker und Gourmets Deutschlands — und er will weiter mit würzigen Kommentaren für gutes Essen und Trinken werben. In einem Punkt bleibt er sich treu: Fast-Food-Lokale und Kochshows schmecken ihm nicht.

In den vergangenen Monaten hat Siebeck sein Leben neu geordnet. Zwar schreibt er noch immer vereinzelt für Zeitungen und Zeitschriften, so wie er das seit mehr als 60 Jahren tut und sich damit einen Namen gemacht hat. Sein neuer Schwerpunkt ist aber das Internet. Dort hat er sich für seine kulinarischen Kolumnen eine eigene Seite zugelegt.

„Ich kann im Internet völlig frei schreiben“, sagt Siebeck. „Kein Redakteur redet mir rein und ich muss nicht im Fluss des Mainstream schwimmen.“ Dass er fürs Schreiben kein Geld bekommt, bereitet ihm keine Magenschmerzen.

„Das, was der Masse gefällt, gefällt mir nicht“, sagt Siebeck, der seinen Ruf als schreibender Querdenker gerne kultiviert. Er ärgert sich auch über die vielen TV-Kochshows. „Ich finde das hysterisch“, sagt er. „Die Zuschauer nehmen das als Unterhaltung. Besser kochen oder essen können sie dadurch nicht.“ Komme so eine Sendung, schalte er sofort aus — obwohl er in den 1980er Jahren selbst eine entsprechende Fernsehshow hatte.

Auch Vegetarier sind nicht nach seinem Geschmack. „Menschen, die beim Anblick einer Metzgerei in Ohnmacht fallen, sind mir ein Graus.“ Wenn jemand kein Fleisch esse, könne er das verstehen.

Aber wenn jemand daraus eine Ideologie mache, sei das nicht in Ordnung. „Die Fraktion der Kampf-Vegetarier hat überhandgenommen“, glaubt der Gastrokritiker. Gutes Essen mit Fleisch werde bewusst schlecht geredet. Dadurch gehe kulinarischer Genuss verloren: „Lebensfreude oder pure Lust am Essen kann ich bei Vegetariern nicht entdecken.“

Als Blogger im Internet hat sich Siebeck neu eingerichtet. Den Sommer-Landsitz in Südfrankreich haben Siebeck und seine Frau Barbara verkauft. Ihr Leben konzentriert sich nun auf Mahlberg, einem 4700 Einwohner zählenden Ort in Baden. Vor 32 Jahren haben sich die Siebecks dort niedergelassen, sie wohnen in einem 1630 erbauten Schloss.

„Essen und Trinken ist in aller Munde. Aber richtig weitergekommen sind wir in all den Jahren nicht, im Gegenteil“, sagt Siebeck. „Die Deutschen geben zu wenig Geld für gutes Essen aus und sie sind dem Wahn der Fertiggerichte verfallen.“ Doch genießen lasse sich lernen. „Statt im Supermarkt sollten die Menschen beim Erzeuger vor Ort einkaufen“, rät er.

Zu Hause kocht Siebeck selten. „Essen gehen ist und bleibt meine große Leidenschaft.“ Zurück am Schreibtisch greift er in die Tasten. Siebeck will nicht nur kosten, sondern auch darüber schreiben. „Bei mir steht die Aufklärung der Konsumenten an oberster Stelle.“ Dieses Ziel werde er weiter verfolgen. Hinzu komme das Reisen. „Ich möchte die Welt kulinarisch erkunden“, sagt Siebeck: „Der Appetit ist mir noch lange nicht vergangen.“

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