ISS-Astronauten warten auf Socken und Post

Kourou (dpa) - Die Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS warten zurzeit gespannt auf den europäischen Raumtransporter „Johannes Kepler“. Das unbemannte Versorgungsschiff wird in wenigen Tagen mit mehr als sieben Tonnen Nachschub eintreffen.

Neben Ausrüstung und Lebensmitteln bringt es den sechs Besatzungsmitgliedern auch Post von ihren Familien, frische Socken, Fischkonserven und Schokolade. Am späten Dienstagabend (23.08 Uhr deutscher Zeit) sollte der Transporter an Bord einer Ariane 5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben. Monatelang hatten rund 150 Techniker und Ingenieure das in Bremen gebaute Raumschiff vom Typ ATV für den Flug ins All vorbereitet. In den Stunden vor dem Start waren trotzdem alle angespannt.

„Es ist immer ein Kribbeln dabei“, erläuterte Wolfgang Heuer, der die Produktion des ATV bei der EADS-Raumfahrttochter Astrium leitet. Sein Team hatte im vergangenen halben Jahr den in zwei Teilen verschifften Frachter am Weltraumbahnhof zusammengefügt und die gesamte Technik immer wieder überprüft. Noch bis kurz vor dem Start waren die Mitarbeiter mit letzten Tests beschäftigt.

Wegen der starken Winde an der Küste des französischen Überseegebiets kann es immer passieren, dass Raketenstarts kurzfristig verschoben werden müssen. Sieben Stunden vor dem Abflug waren die Experten aber zuversichtlich, dass das Wetter mitspielen wird.

„Das System ist wahnsinnig anspruchsvoll“, erläuterte Heuer. Immerhin fliegt der nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Transporter ohne Pilot. Auch der Ariane-Rakete verlangt er Höchstleistung ab. Er ist die schwerste Last, die sie jemals in den Weltraum befördern musste.

Zehn Meter lang, 4,5 Meter im Durchmesser und 20 Tonnen schwer - damit kommt „Johannes Kepler“ in etwa auf die Größe eines Londoner Doppeldeckerbusses. Den Ingenieuren bereitet das aber kein Kopfzerbrechen: Für die Trägerrakete ist es bereits der 200. Flug. Läuft alles glatt, ist es der 42. erfolgreiche in Folge.

Voraussichtlich am 23. Februar wird „Johannes Kepler“ automatisch am russischen Teil der Raumstation festmachen. Bis auf zwölf Meter fliegt er an die ISS heran, die mit einer Geschwindigkeit von 28 000 Kilometern pro Stunde durchs All fliegt. Dann schiebt sich der Transporter ganz langsam näher, um einen nur 15 Zentimeter großen Andockpunkt an der Station zu treffen - Maßarbeit bei Höchstgeschwindigkeit.

Dreieinhalb Monate soll der Frachter an der ISS bleiben. In der Zeit wird er die Fußballfeld große Station mehrmals anheben. Diese verliert ständig an Höhe und würde ohne fremde Hilfe irgendwann abstürzen. Anfang Juni werden die Astronauten das Raumschiff mit Abfällen beladen. Auf seinem Weg zurück zur Erde wird er dann in der Atmosphäre verglühen.

Für die Europäer ist die rund 450 Millionen Euro teure Mission von großer Bedeutung. „Das ist ein wichtiges Ereignis“, sagte der Direktor der Europäischen Weltraumbehörde ESA, Jean-Jacques Dordain. Sie wollen damit beweisen, dass sie ein zuverlässiger Partner bei der Versorgung der Raumstation sind. Wenn die USA ihre Space Shuttle im Laufe dieses Jahres einmotten, ist der ATV das größte Transportschiff für die ISS.

„Johannes Kepler“ ist nach dem 2008 gestarteten Prototypen bereits der zweite Frachter dieses Typs, allerdings das erste Modell aus der Serienfertigung. Bis 2015 sollen die Raumtransporter im Jahresabstand starten.

Der Nachfolger „Edoardo Amaldi“ steht schon in den Startlöchern. Zurzeit testen die Experten im Bremer Astrium-Werk die gesamte Technik durch, bevor er nach Kourou verschifft wird. Anfang 2012 soll das Raumschiff zur ISS starten. Auch der Bau des vierten und fünften ATV läuft bereits.

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