Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Forschen, um das Leben der Astronauten im All verbessern

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt : Forschen, um das Leben der Astronauten im All verbessern

NRW-Minister Pinkwart informierte sich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln über aktuelle Forschungsprojekte.

Köln. Fasziniert blickt NRW-Wirtschafts- und Digitalisierungsminister Andreas Pinkwart (FDP) durch die Scheibe eines separaten Raums, in dem die Gelenke einer sogenannten Kurzarm-Humanzentrifuge in rasanter Geschwindigkeit im Kreis sausen. „Das ist schon beeindruckend“, muss er zugeben.

Das Gerät im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin auf dem weitläufigen Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln mutet auf den ersten Blick wie eine futuristische Krake an. Hier, im „Envihab“ (eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „environment“ und „habitat“ — also Umwelt und Lebensraum), einer hochtechnologischen medizinischen Forschungseinrichtung, werden die Wirkungen extremer Umweltbedingungen auf den Menschen und mögliche Gegenmaßnahmen untersucht.

Die Zentrifuge besitzt vier Kabinen, in denen jeweils ein Proband im Liegen Platz findet. Mit ihrer Hilfe kann eine Versuchsperson unterschiedlichen Beschleunigungen ausgesetzt werden, um so körperliche Bewegungsabläufe während der Rotation exakt messen und medizinische Untersuchungen durchführen zu können. „Alle unsere Forschungsaktivitäten haben das Ziel, das Leben der Astronauten im All zu verbessern, aber auch medizinische Erkenntnisse zu gewinnen, die für allgemeine Zwecke genutzt werden können“, erklärt DLR-Sprecherin Friederike Wütscher.

Mit dem Kopf nach innen und den Füßen nach außen gerichtet werde für die Versuchsperson in der Zentrifuge durch die schnellen Drehungen eine Art künstliche Schwerkraft erzeugt, die das Blut vom Kopf in die Füße zieht. „Die liegende Versuchsperson hat in der Zentrifuge so das Gefühl, dass sie steht“, erläutert Wütscher. Das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse bestehe vor allem darin, wie man das Training der Astronauten im All verbessern kann. So absolvieren die Versuchspersonen in der Kabine der Zentrifuge von Kniebeugen bis zu Sit-ups zuweilen ein anspruchsvolles Fitness-Workout.

„In der Raumstation müssen die Astronauten jeden Tag ein mindestens zweistündiges Fitnessprogramm absolvieren, um dem körperlichen Verfall entgegenzuwirken“, erklärt Mitarbeiter Michel Winand. Denn vor allem der Muskulatur setzt die monatelange Schwerelosigkeit während einer Raummission schwer zu. Dabei werden die Tests streng ärztlich überwacht und die Probanden in der Zentrifuge haben zudem jederzeit die Möglichkeit, das Training durch einen Notknopf abzubrechen.

Außerdem führt Pinkwart sein Rundgang ins „CeraStore“, ein Kompetenzzentrum für keramische Materialien und thermische Speichertechnologie in der Energieforschung, wo sich eine Testanlage im Industriemaßstab zur Weiterentwicklung von kostengünstigen Wärmespeicherkonzepten für regelbaren erneuerbaren Strom befindet. „Tesis“ („Test Facility for Thermal Energy Storage in Molten Salt“) nennt sich die Salzspeicheranlage, in der Salz durch hohe Temperaturen verflüssigt wird, um dann solarerzeugte Energie in der Flüssigkeit speichern zu können. In solchen Hochtemperatur-Wärmespeichern sehen Experten eine Schlüsseltechnologie, um schwankende Energie etwa aus Sonne und Wind in regelbaren Strom verwandeln zu können.

Der Minister zeigte sich indes angetan von seinem Rundgang am Kölner Standort des DLR, der über rund 1500 Mitarbeiter verfügt. Insgesamt beschäftigt das DLR mit seinen weiteren zwei Standorten in Jülich und Bonn gut 2700 Mitarbeiter und gehört damit zu den wichtigsten Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik.

dlr.de

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