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„Wir wollen nicht den Heldentod sterben“

„Wir wollen nicht den Heldentod sterben“

Personenschützerin Gracia-Patricia Walters ist Chefin der Ladyguards. In ihrem Beruf will sie Gefahren möglichst ausschließen.

Ratzeburg. Das schwache Geschlecht kann ganz schön stark sein. Gracia-Patricia Walters ist eine starke Frau — privat und in ihrem Beruf als Personenschützerin. Eine der wenigen in Deutschland. Mit Einsätzen in Europa und der Welt. Immer einen Schritt der Gefahr voraus. Was wiederum eine wichtige Stärke in ihrem Business ist. Doch davon später.

„Wir wollen nicht den Heldentod sterben“

Eigentlich wollte die gebürtige Lübeckerin Polizistin werden. „Uniformen waren immer meine Leidenschaft und der Schutz“, erinnert sich die 44-Jährige. Doch in der Ausbildung bei der Polizei kamen Zweifel. „Der Beruf ist nicht flexibel genug für mich“, erklärt sie. Als ihr ein Ausbilder der GSG 9 den Tipp gab, dass Frauen in der zivilen Sicherheit rar und sehr gefragt seien, verließ sie die Polizei und ließ sich von 1995 bis 1997 zur Personenschützerin ausbilden. Danach arbeitete sie freiberuflich weiter — finanziell abgesichert durch die Arbeit in ihrem Reisebüro. Ihr erster Einsatz war bei einer Galerie-Eröffnung mit hochrangigen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft in Berlin „Ich war sehr nervös, wollte aber auch zeigen, was ich kann. Und es ging alles gut.“ Weitere Anfragen folgten, sie akquirierte Mitarbeiterinnen, gründete schließlich 2003 ihr eigenes Sicherheits- und Beratungsunternehmen „Lloyd Security“ im schleswig-holsteinischen Ratzeburg. Heute sind hier knapp hundert Mitarbeiter beschäftigt. In der Abteilung „Ladyguard“ sind es 28 Frauen.

„Wir wollen nicht den Heldentod sterben“

Bodyguards kennt jeder — meist von der Leinwand. Auch Gracia-Patricia Walters hat den gleichnamigen Film mit Kevin Costner und Whitney Houston gesehen. Ihr Urteil: „Dass sich Personenschützer und Kunde verlieben, passiert immer wieder. Dann muss man den Job abgeben.“ Und wie ist es mit Vorurteilen gegenüber Personenschützerinnen? Walters erinnern sie an die Sprüche, die Frauen auf dem Bau über sich ergehen lassen müssen. Sie hält mit einem guten, durchaus selbstkritischen Selbstbewusstsein dagegen: „Wir müssen halt wie ein Kerl unsere Frau stehen.“ Weitere Qualifikationen der Ladyguards: hohe Sensibilität, starke Nerven, gute Selbsteinschätzung, Fitness, Schnellig- und Wendigkeit. „Wir können größeren und stärkeren Menschen nur Paroli bieten, wenn wir schneller sind“, sagt die 1,68 Meter Frau, die ihren Job solange ausüben will wie möglich. Höchstalter oder Mindestgröße sind für sie denn auch kein Thema.

Die Ausbildung bei Walters dauert mehrere Wochen, umfasst Kampfsportarten, Taktiktraining, Recht, die Ausbildung an der Waffe. Außerdem werden die Fertigkeiten alle zwei Monate überprüft.

Die schwächere Physis wird durch Charme, Intuition und Instinkt ausgeglichen, durch gute, minutiöse Planung und Vorausschau. „Es gilt, sich in den möglichen Störer hineinzudenken, wahrzunehmen, was er will, möglichst, bevor er selbst es weiß“, so Walter. Damit Unvorhergesehenes und Gefahrensituationen gar nicht erst eintreten. „Nur dann ist Personenschutz gut.“ Beispiel: Während männliche Bodyguards einem drohenden Streit auf der Reeperbahn „robuster“ begegnen, „versuchen wir eine Konfrontation zu vermeiden“. Ladyguards agieren unauffällig („Wir sind nicht der dunkle Koloss.“), werden so leicht unterschätzt und umgekehrt gerne gebucht, wenn sie im Alltag nicht erkannt werden sollen. Eine Stärke.

Ihre Kunden sind Familien, Industrielle und deren Gattinnen. Sie schützen Kinder auf Abifeiern, Frauen beim Shoppen, begleiten Stars wie Robbie Williams, Nicole Kidman oder Colin Farrell zu Privat-Feiern oder -Konzerten, sind bei wertvollen Gemälde- oder Juwelentransporten dabei. Ein solcher Einsatz ging in Düsseldorf beinah schief, als der Weg plötzlich durch einen Lkw nach vorne und schwere Fahrzeuge nach hinten verstellt war. „Da sind wir in eine Querstraße ausgewichen“. Ein anderes Mal zog sie sich mit der zu schützenden Person in ein Geschäft zurück und rief die Polizei an, denn, so Walters: „Keine wünscht sich, dass sie den Holster lösen muss. Wir wollen nicht den Heldentod sterben.“