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Wetten,dass: Schlechte Quote, besserer Lanz

Wetten,dass: Schlechte Quote, besserer Lanz

Dank der Gäste und einem lernfähigen Moderator gelingt die Sendung in Düsseldorf.

Düsseldorf. Na bitte, es geht doch: Man nehme unterhaltsame Gäste und einen etwas weniger lobhudelnden Markus Lanz und erhält eine gute „Wetten, dass . . ?“-Sendung. Etwas, woran viele nicht mehr zu glaubten wagten.

Foto: Marius Becker

Im Oktober 2012 hatte Lanz’ Geschichte bei „Wetten, dass . . ?“ in Düsseldorf begonnen. Es folgten viel Kritik, zuletzt gar eine Petition gegen ihn und mäßige Quoten. Nun könnte der ISS Dome in Düsseldorf einen Neuanfang für Lanz markieren: Entspannter, weniger angestrengt, selbstironisch präsentierte sich der Moderator. „,Wow sage ich jetzt nicht“, bemerkte er augenzwinkernd bei der Begrüßung des Düsseldorfer Publikums. Tatsächlich scheint Lanz Superlative aus seinem Vokabular gestrichen zu haben, nannte nicht mehr jeden Gast, jede Wette, jeden Spruch „sensationell“ oder „großartig“.

Viel abmühen musste sich der Tiroler bei den Gästen auch nicht: Das Moderatorenduo Joko Winterscheidt und Klaas Heuer-Umlauf sorgten für lockere Stimmung auf dem Sofa, auf dem auch US-Schauspielerin Hilary Swank, „Happy“-Sänger Pharrell Williams, ARD-Nachrichtensprecherin Judith Rakers, TV-Koch Christian Rach und der Wuppertaler Schauspieler Christoph Maria Herbst Platz nahmen.

Joko und Klaas lachten pubertär, als Rakers über ihr erstes Mal berichtete, also bei der „Tagesschau“, Joko bekam sich nicht mehr ein, als Klaas nach verlorener Wette als sexy Feuerwehrmann posieren musste und sogar die Axt ableckte. Herbst machte den Gag des Abends, bei dem sogar Lanz völlig unbeherrscht, aus tiefstem Herzen lachte: „Klaas, du kannst alles anziehen. Sieht immer scheiße aus.“

Die Chemie bei den Gästen stimmte, Lanz ließ sie alle ausreden und leitete keine Frage ein mit: „Ich habe mal gelesen . . . “. Man möchte beinahe sagen: sensationell. Verbesserungsbedarf gibt es noch bei den Witzen: Lanz bezeichnete die Show in Anspielung auf den Dopingfall der Deutschen bei Olympia als „Ihr ganz legales Dopingmittel“, bei der Wette zweier Kölner — sie erkannten ihre Fußballteamkollegen anhand der Wadenhaare auf Wachsstreifen — haute er die Kalauer „Das ist die Peta-Wette, lieber nackt als Pelz“ oder „Ein Fell für zwei“ raus.

Die Wetten insgesamt waren kurzweilig und gut durchmischt: Hamburger Feuerwehrmänner bewegten mit einer selbst kreierten Saugkonstruktion einen Feuerwehrwagen mit reiner Lungenkraft, ein Gedächtnissportler wollte blind einen Zauberwürfel lösen, ein Österreicher erkannte am Hirschgeweih das Tier und dessen Alter. Herrlich der Blick des Wettpaten Herbst, als Lanz ihm den Wetteinsatz nannte: Er sollte sein Gesicht auf einen Kopierer legen und Ausdrucke verteilen. „Das Lieblingsbürospiel“, bemerkte Lanz. „Sehr einfallsreich“, schien Herbsts Augenrollen zu sagen. Der Wettkandidat machte seinen Job gut, Herbst blieb also verschont.

Wettkönige wurden zwei Brüder, die eine Wand hochliefen und Bilder in 3,50 Metern Höhe anbrachten. Heimlicher Star des Abends aber war Leandro Palmer, der bei der Kinderwette an den Start ging. Der Gelsenkirchener tanzte mit einer wellenartigen Bewegung und ließ mit seinem Bauch Luftballons am Boden zerplatzen. Wettpatin Hilary Swank schien sich gleich verliebt zu haben. Spätestens als Pharrell Williams seinen Ohrwurm „Happy“ sang, verliebte sich die ganze Halle. Leandro hielt es nicht auf dem Platz und so lief er auf die Bühne und tanzte spontan mit dem Superstar — dabei durfte der Neunjährige laut Jugendarbeitsschutzgesetz gar nicht mehr auf der Bühne stehen, weshalb ihn Lanz auch nach der Tanzeinlage wieder zur Mama schickte.