1. Panorama

Werner Müller: Orden für Lebenswerk

Werner Müller: Orden für Lebenswerk

Der schwer erkrankte ehemalige Wirtschaftsminister trifft auf seinen Ex-Kabinettschef Gerhard Schröder.

Düsseldorf. Ein tragisch-berührender Moment für zwei langjährige Weggefährten: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein früherer Bundeswirtschaftsminister Werner Müller treffen in der Düsseldorfer Staatskanzlei aufeinander. Der 71-jährige Müller wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet und macht doch keinen Hehl daraus, dass seine schwere Krankheit ihm nicht mehr allzu viel Zeit lassen wird. Ihm gegenüber sitzt in der seltsam anmutenden heiter-melancholischen Feierstunde als Überraschungsgast sein 74-jähriger Ex-Chef und langjähriger Freund Schröder — wie gewohnt kraftstrotzend und braun gebrannt mit neuer Liebe So Yeon Kim in bonbonfarbenem Outfit.

Mit viel Würde und Humor, aber auch mit beklemmender Offenheit bedankt sich Müller bei Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) für den Verdienstorden des Landes — eine der höchsten Auszeichnungen Nordrhein-Westfalens, die auf 2500 lebende Ordensträger begrenzt ist. „Ich hoffe, dass ich ihn einige Zeit tragen kann. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass ich den Platz in absehbarer Zeit wieder freimachen kann für andere Ordensträger. Das ist leider so. Ich bin etwas heftiger erkrankt“, sagt Müller mit leiser Stimme.

Müllers Lebensleistung könne jeden nur mit Demut erfüllen, hält Laschet in seiner Laudatio fest. „Als Mann des Ausgleichs hat er in über vier Jahrzehnten unschätzbar wertvolle Beiträge vor allem zur Sicherung des Energiestandorts Nordrhein-Westfalen geleistet.“

Müller hört sich die lobenden Worte an, sein erster Dank gilt seiner Frau Marion, die aus der ersten Reihe des lichtdurchfluteten Festsaals hoch über dem Rhein zu ihm aufblickt. „Ohne Rückendeckung zu Hause ist so ein Berufsleben, wo man so viel eingespannt ist, kaum möglich“, gesteht der scheidende Vorstandsvorsitzende der RAG-Stiftung. Vielleicht seien seine beiden Kinder gerade so wohlgeraten, weil er so oft weg gewesen sei, scherzt Müller, seiner lächelnden Frau zugewandt. „Jedenfalls ist sie die erste Person, der ich so viel verdanke.“

Dann fällt sein Blick auf Gerhard Schröder. Ihn habe er schon im Jahr 1990 kennengelernt, damals noch als niedersächsischen Ministerpräsidenten, erzählt Müller. Als Kanzler hat Schröder den Parteilosen später zu seinem Wirtschaftsminister gemacht. „Das ist irgendwie ein Verhältnis geworden, das geblieben ist und dem ich wirklich unendlich viel verdanke“, bilanziert Müller.

In den vergangenen Jahren wurde Müller häufig als „der letzte Ruhr-Baron“ tituliert. „Das hat sich so eingebürgert“, wehrt er bescheiden ab. „Ich weiß nicht, ob das nur positiv ist.“