Wechsel nach Malta: Traumschiff unter falscher Flagge

Wechsel nach Malta: Traumschiff unter falscher Flagge

Die MS Deutschland soll unter maltesischer Flagge fahren. Die Regierung übt Kritik.

Berlin. Millionen Fernseh-Zuschauer kennen das Kreuzfahrtschiff „Deutschland“ als ZDF-„Traumschiff“. Seit 1999 dient es als Kulisse für die Serie, bei der Schauspieler Siegfried Rauch den Kapitän mimt. Bald könnte das letzte Kreuzfahrtschiff, das noch unter deutscher Flagge fährt, die maltesische Flagge schmücken, so der Plan der Reederei Peter Deilmann. Davor warnt jetzt der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto.

„Ich nehme die Ankündigung der Reederei Deilmann, die ,MS Deutschland’ auszuflaggen, mit Besorgnis zur Kenntnis. Die Verlagerung in das Schiffsregister Maltas hat mehr Auswirkungen als das Auswechseln der deutschen Fahne am Achterdeck durch die maltesische“, sagte Otto. Für die Besatzung wäre der Flaggenwechsel mit Änderungen rechtlicher und finanzieller Art verbunden. Bei einer Ausflaggung sparen Reedereien an den Löhnen, weil die Besteuerung in den Billigflaggenstaaten geringere Lohnkosten und oft geringere Sozialleistungen für die Besatzungsmitglieder mit sich bringen. Auch die Sicherheitsstandards sind weniger streng.

„Wir sind entsetzt, und die Besatzung ist sauer“, sagte gestern auch der Verdi-Fachgruppenleiter Seeschifffahrt, Karl-Heinz Biesold. Es gebe keinen Grund, das Schiff auszuflaggen. „Man will auf dem Rücken der Besatzung Geld sparen.“ Biesold drohte mit Protestaktionen. „Wir können auch gern in London während der Olympischen Spiele, wenn die ,Deutschland’ da liegt, Aktionen machen.“

Die Reederei Peter Deilmann hat die kritisierten Pläne zur Ausflaggung des ZDF-Traumschiffs „Deutschland“ als marktübliche Entscheidung verteidigt. „Wir möchten uns in eine ähnliche Situation bringen wie die Mitbewerber, was die Planbarkeit von bestimmten Rahmenbedingungen angeht“, sagte Unternehmenssprecherin Kornelia Kneissl gestern. „Im Markt treffen wir auf Verständnis, wenn wir die Beweggründe nennen.“ Einer sei die Kürzung von Zuschüssen für deutsche Schiffe aus Berlin. „Der Gesetzgeber hat leider entschieden, Finanzmittel, die früher die erheblichen Kostennachteile eines im deutschen Schiffsregister geführten Schiffes teilweise ausgeglichen und damit die Chancengleichheit auf dem Markt gesichert haben, um mehr als 80 Prozent zu kürzen“, schrieb die Reederei. Auf politischer Ebene habe keine zufriedenstellende Lösung erarbeitet werden können. Die Reederei sei zu dem Schluss gekommen, dass eine Veränderung des Schiffsregisters die sinnvollste Lösung darstelle.

Otto wies dies zurück: „Die Bundesregierung steht zu ihrer Verantwortung für die deutsche Seeschifffahrt.“ Das Maritime Bündnis werde nach gemeinsamen Gesprächen auf eine neue, solide Grundlage gestellt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung