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Wespen-Plage 2018: Warum es so viele Wespen gibt - und wie man sich schützen kann

Wespen-Plage 2018 : Warum es so viele Wespen gibt - und wie man sich schützen kann

Wespen überall: Ob im Garten oder im Park — kaum kommen Speisen auf den Tisch, sind die ungebetenen Gäste zur Stelle. Aber warum gibt es dieses Jahr so viele? Und wie kann man sich schützen? Fragen und Antworten zum Thema.

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p class="text"><h2>Warum gibt es dieses Jahr so viele Wespen?

Schädlingsbekämpfer haben in diesen Tagen wegen der anhaltenden Hitze und der enorm hohen Wespenzahl Hochkonjunktur. Viele müssen angesichts prall gefüllter Auftragsbücher sogar reihenweise Anfragen ablehnen. „Ich bekomme täglich bis zu 200 Aufträge, aber kann nur bis zu 15 von ihnen ausführen. Deswegen arbeite ich momentan von 8.00 bis 22 Uhr“, sagt etwa der Dortmunder Experte Tim Krause.

Einer der Gründe für die hohe Zahl der Wespen ist die anhaltend extreme Hitzewelle. Die sogenannte Schafskälte im Juni, die in früheren Jahren oft einen Rückschlag für die Populationen bedeutete, blieb diesmal weitgehend aus. Auch Überflutungen gab es in den meisten Regionen nicht. Die Nester konnten nach Nabu-Angaben unter diesen Bedingungen groß und stark werden, so dass viele Tiere erfolgreich durchkamen. Julian Heiermann, Zoologe und Insektenexperte beim NABU Naturschutzbund in Berlin, spricht von einem regelrechten „Wespenjahr“. Die „klimatischen Bedingungen sind günstig“, sagt er.

Die Wespen lieben Trockenheit. Das Aufkommen sei daher größer, aber genaue Zahlen gebe es nicht.

Für den Menschen problematisch sind hierzulande eigentlich nur zwei Arten - die Deutsche und die Gemeine Wespe, wie Nabu-Expertin Melanie von Orlow betont. Sie brachten den Wespen den schlechten Ruf überhaupt erst ein. Denn sie tummeln sich gern dort, wo es Leckerbissen gibt wie Grillfleisch und Wurst sowie Eis oder andere zuckersüße Sachen. Weil die Wespen aufdringlich sind und den Menschen meist hektisch umfliegen, werden sie als aggressiv empfunden. Dabei wollen sie eigentlich nur scharf sehen und sind weder aufgeregt noch stechlustig. Die Tiere sehen auf kurze Entfernungen schlecht und kompensieren das durch hohe Fluggeschwindigkeit.

Werden die Wespen durch wildes Herumgefuchtel gereizt oder gequetscht, stechen sie zu. Gleiches gilt, wenn Menschen ihren Nestern zu nahe kommen. Auch Angstschweiß kann Angriffe auslösen. Nicht ratsam ist es zudem, die Tiere wegzupusten. Denn das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal. Wespen werden auch von Parfüm oder durftenden Cremes angezogen. Außerdem fliegen sie gern auf bunte Kleidung. Wespen können im Gegensatz zu Bienen mehrfach zustechen.

Die Stiche von Wespen, Bienen oder Hornissen sind zwar schmerzhaft, aber im Normalfall nicht besonders gefährlich. Selbst Stiche in Mund und Zunge sind meist harmlos. Das Schlimmste für den Gestochenen, gerade für Kinder, sind die hektischen Reaktionen der Umstehenden. Deshalb ruhig bleiben: Gegen Schmerzen und Schwellungen hilft das Trinken von Eiswasser, das Lutsche von Eis oder eine halbierte Zwiebel auf dem Einstich. Sticht eine Biene oder Wespe jedoch in den tiefen Rachenraum, sollte ein Arzt aufgesucht werden, weil die Atemwege zuschwellen können.

Einige Menschen leben in ständiger Angst vor dem Stich: Bis zu fünf Prozent der Bundesbürger sind nach Angaben des Ärzteverbands Deutscher Allergologen allergisch gegen Bienen- oder Wespengift. Sie reagieren darauf mit Juckreiz, Hautquaddeln, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock kommen. Rund 20 Todesfälle nach Stichen von Bienen, Wespen oder Hornissen werden jährlich gemeldet, Experten schätzen die Dunkelziffer aber höher ein.

Experten raten den Betroffenen zu einer spezifischen Immuntherapie, die bei bis zu 95 Prozent der Patienten erfolgreich sei. In jedem Fall sollten Allergiker ein Notfallset mit Medikamenten und einer Adrenalinspritze in der Tasche haben. Aktuell gibt es allerdings Lieferengpässe bei dem Arzneimittel "Fastjekt", das bei einer schweren allergischen Reaktion nach Insektenstichen gespritzt wird.

Ausgerechnet in Zeiten besten Wespen-Wetters haben Allergiker mit einem Lieferengpass von Arzneimitteln bei Insektenstichen zu kämpfen. Laut Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn gibt es Produktionsprobleme bei dem Präparat „Fastjekt“. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Autoinjektor, mit dem man sich Adrenalin spritzen kann, wenn eine schwere allergische Reaktion auftritt - etwa bei einem Wespenstich oder bestimmten Nahrungsmitteln. Für Allergiker können solche Situationen lebensbedrohlich sein. Auch der „Fastjekt Junior“ für Kinder ist betroffen.

Nahrungsmittel im Freien sollten abgedeckt und Reste zügig weggeräumt werden. Sinnvoll kann es auch sein, an einer entfernten Ecke des Gartens eine Schale mit Lebensmitteln wie etwa reifen Bananen oder Weintrauben aufzustellen, die Wespen ablenken. Eine Alternative auf dem Kaffeetisch ist nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung übrigens Schokoladenkuchen, denn Wespen mögen keine Schokolade.

Die beste Variante sind Stichheiler - Geräte, die lokal die Stichstelle erwärmen. Da ist es dann eigentlich so, dass am nächsten Tag gar nicht mehr klar ist, wo eigentlich der Stich gewesen ist. Als zweites gehen natürlich solche Sachen wie halbierte Zitronen, Zwiebel, Rhabarber. Diese klassischen Hausmittel wirken auch, wenn ich sie gleich anwende. Erst danach sollte man dann solche Sachen machen wie kühlen.

Bei Wespen sterben alle Tiere bis auf die jungen Königinnen. Die meisten Wespenarten sind ab Ende August wieder verschwunden. Spätestens nach den ersten Frostnächten im Herbst gehen dann auch die Deutsche und die Gemeine Wespe ein. afp/dpa