VIPs stürmen die Art Cologne

VIPs stürmen die Art Cologne

Der Kaufrausch der Sammler auf der Köln-Messe ist ungebrochen.

Köln. Zehn Jahre ist Daniel Hueg nun schon Chef der Art Cologne, und erstmals darf er sich wirklich loben. Die größte Kunstmesse Deutschlands präsentiert sich in guter Verfassung. Alles, was Rang und Namen an Künstlern und Galeristen hat, ist versammelt. Eine internationale Info-Börse ist es selbst für denjenigen, der kein Kleingeld hat. Denn was in der Welt der Kunst wertvoll ist, ist dort versammelt. Hueg hatte 1200 VIPs registriert. Die ersten Hundertschaften marschierten fünf Stunden vor der Preview in die drei Hallen. Binnen weniger Minuten meldete die Galerie Lelong per Handschlag den ersten Verkauf: ein Bild von Konrad Klapheck für 150 000 Euro.

Halle 11.1 präsentiert die klassische Moderne. In der obersten Halle stößt man auf Neulinge, unter ihnen der Achenbach-Spross Daniel Achenbach mit Freundin Anna Hagemeier. In der mittleren Halle tragen die Gäste zuweilen lange Kleider, stecken sich eine Brosche von Picasso ans Revers und promenieren am Weltmarktführer Gagosian vorbei, wo der Schweizer Urs Fischer mit einer riesigen Doppelfigur spotten darf. Das Werk, halb Pope, halb Schönling ist aus Wachs und lässt sich abfackeln. Was der Spaß kostet, bleibt geheim. Selbst beim „Fensterputzer“ von Duane Hanson redet man nicht über Preise. „Wir wollen, dass die Menschen ihr Geld für Kunst und nur für Kunst ausgeben“, sagt Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler, klar und deutlich.

Im Untergeschoss geht es ruhig und solide zu. Galerist Rainer Thomas aus München gibt zu jedem Werk Preis und Erklärung an, zur gepressten Blume von Beuys oder zu Peter Halleys sensibler Auseinandersetzung mit Paul Klee.

Pop Art ist teuer. Warhols Suppendosen kosten selbst als Drucke je 50 000 Euro. Der Pinselstrich von Roy Lichtenstein, Lebkuchen mit Zuckerguss, wirkt zum Reinbeißen schön. Einst kostete die Edition in Daniel Spoerris Eat-Art-Galerie ein kleines Handgeld. Bei 28 000 Euro werden sich die Sammler ihre Essgelüste verkneifen.

Mit drei Millionen Euro das teuerste Werk der Messe ist Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Die Ruderer“ (1928-29) bei Henze und Ketterer. Ein stolzer Preis, wird doch bei Kennern die Spätphase des Expressionisten nicht allzu hoch bewertet.

Im Preis extrem angezogen haben Werke des Nagelkünstlers Günther Uecker. Der Galerist Klaus Schwarzer klagt angesichts einer kleinen Nagelecke von 1976 für 480 000 Euro, man bekomme keine Ware mehr. Vielleicht trösten sich Sammler bei Beck & Eggeling. Dort hängt ein Riesenformat von Norbert Tadeusz von 2006. Kaum ein Künstler der Gegenwart hat das Motiv der Flüchtlinge in den Schlauchbooten so klassisch perfekt wiedergegeben wie er.

Zwei Tipps zum Schluss: Thomas Huber zeigt bei Akinci die ironische Arbeit „Das Bild ist gestern abgeholt worden“. Leere Staffelei mit schönem Holzboden gibt es für 24 300 Euro. Empfehlenswert sind auch Jörn Stoys herrliche Farbbilder bei Petra Rinck schon ab 5000 Euro.

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