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Videoüberwachung: Was das Kamera-Auge alles sieht

Videoüberwachung: Was das Kamera-Auge alles sieht

Das Video einer Katze im Müll empört die Insel. Der Film entstand zufällig, wie viele andere auch.

Düsseldorf/Coventry. Zuerst gibt es für Lola ein paar Streicheleinheiten, wenige Augenblicke später wirft die Bankangestellte Mary B. Nachbars Katze ohne erkennbaren Grund in eine Mülltonne, die an der Straße steht. 15 Stunden bleibt die Mieze zwischen Essensresten eingesperrt, bis Nachbarn das Tier schließlich befreien.

Was Mary B. nicht ahnt: Ihre tierquälerische Entsorgungsaktion ("Es ist doch nur eine Katze") wird von einer Videokamera der Polizei in Coventry aufgenommen - und macht nach der Veröffentlichung ruckzuck die Runde im Internet. Mittlerweile bekommt die rabiate Frau Morddrohungen, ihr Chef droht mit Kündigung, und eine Anzeige wegen Tierquälerei haben Lolas Besitzer auch gestellt.

Dass solche Aktionen nicht unbemerkt bleiben, liegt an mehr als vier Millionen Überwachungskameras in England. Allein in der Hauptstadt London beobachten knapp eine Million digitale Augen (CCTV, Closed Circuit Television) die acht Millionen Einwohner. Wer als Einheimischer oder Tourist durch die Innenstadt spaziert, hat statistisch die Chance, 300 Mal am Tag gefilmt zu werden. Im ganzen Königreich kommt umgerechnet eine Kamera auf jeweils 14 Einwohner.

Meist bleiben die Filme unter Verschluss. Allerdings landen auch viele der Videos ohne große Umwege im Internet. Dutzende Überwachungsfilme zeigen beispielsweise die Attentäter vom 7.Juli 2005 als scheinbar harmlose Fahrgäste in der U-Bahn. In Wirklichkeit zünden sie wenig später vier Bomben gleichzeitig in öffentlichen Verkehrsmitteln und töten so 36 Menschen.

Diebstähle sind bei Youtube und Co. ebenso im Angebot wie Schlägereien, Autounfälle, angebliche Geister - und ein Kandidat für den Titel "dümmster Räuber der Insel". Der Mann bereitet seinen Revolver für einen Überfall vor - und grinst dabei in die Kamera. Über so viel Berühmtheit wird er sich später wohl genauso wenig gefreut haben wie Mary B.. Die Bankangestellte hat immerhin eine Erklärung für ihren Aussetzer: "Ich weiß nicht, was über mich kam, aber ich dachte plötzlich, dass es lustig wäre."