Nachruf „Uns Uwe“ Seeler ist jetzt im Fußballhimmel - HSV-Idol im Alter von 85 Jahren verstorben

Hamburg · Einer der größten Fußballer Deutschlands ist am 21.07.2022 von uns gegangen. Die HSV-Legende Uwe Seeler ist im Alter von 85 Jahren in seiner Heimatstadt verstorben. Seeler war für seine Nahbarkeit und Bodenständigkeit unter den Fußballfans sehr beliebt. Ein Nachruf.

 Uwe Seeler steht vor der HSV-Raute.

Uwe Seeler steht vor der HSV-Raute.

Foto: dpa/Christian Charisius

Es ist ein Bild mit Symbolkraft und wurde im Jahr 2000 völlig zu Recht zum Sportfoto des Jahrhunderts gewählt. Der Fotograf Sven Simon stand im Jahr 1966 zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und drückte auf den Auslöser als Uwe Seeler gramgebeugt und traurig, mit hängendem Kopf und flankiert von zwei englischen Sicherheitskräften den Rasen verlässt. In einem denkwürdigen Spiel, dass noch heute für Gesprächsstoff sorgt unterlag Deutschland im WM-Finale im Londoner Wembley-Stadion Gastgeber England mit 2:4. Heute trauert die Fußball-Welt um ihn. Der gebürtige Hamburger Uwe Seeler ist im Alter von xx Jahren nach einer xxxxxsss gestorben. „Ich lebe gern. Aber den Tod können wir nicht verhindern, diesen Weg gehen wir am Ende alle. Und wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt, dann hoffe ich das es schnell geht. Ich möchte nicht dahinsiechen“, sagte Uwe Seeler einmal anlässlich eines Interviews an seinem 80. Geburtstag der Hamburger Morgenpost.

Seeler ist und war nicht nur ein Fußballspieler - Uwe Seeler ist eine Fußball-Legende. Das war er schon zu Lebzeiten. Seeler hat etwas besessen, dass es heute im Profi-Geschäft so gut wie ausgestorben ist: Vereinstreue. Der Hamburger SV war sein Leben und die Raute hat er tief im Herzen getragen. Der Stürmer gehörte zeitlebens zum Inventar des Klubs. Die zweite Liebe seines Lebens neben dem HSV war seine Frau Ilka mit der über 60 Jahre verheiratet war. Als zehnjähriger fing er beim HSV an und als Profi und Weltklasse-Stürmer beendete er 1972 eine fantastische Karriere.

Dabei wurde ihm der HSV schon in die Wiege gelegt. Bereits in den Jahren 1920 bis 1940 zählte sein Vater Erwin zu den populärsten Kickern in der Hansestadt. Auch sein älterer Bruder Erwin schnürte für den HSV die Fußballschuhe. Hamburg und Seeler das das gehört zusammen wie Blut- und Leberwurst. Seeler den man als bodenständig, aufrichtig und geradlinig beschreibt, schoss zu Zeiten als die Bundesliga noch in weiter Ferne lag bereits Tore am Fließband. In der damaligen Oberliga Nord kam keiner an Uwe heran. Der kleine, quirlige Angreifer, spielte seinen Gegenspielern Knoten in die Beine und seine Ausbeute lag weit über dem Schnitt. Für rund 30 Treffer pro Saison war Seeler immer gut. Als Seeler kurz vor seinem 80. Geburtstag einmal gefragt wurde, was er sich wünsche, sagte er: „Einen Sieg für den HSV und Gesundheit. Ich hoffe, dass ich den Abstieg des HSV nie erlebe.“ Das blieb ihm allerdings dann doch nicht erspart. Zwei Jahre nach Seelers 80. Geburtstag, ging es endgültig mit Hamburg in Liga II. In den Jahren zuvor hat sich das immer wieder angedeutet, doch Hamburg ist immer irgendwie dem sportlichen Tod von der Schippe gesprungen. Seeler wurde bis ins Mark getroffen: „Ich habe nicht geglaubt, dass ich noch mal absteige mit dem HSV, solange ich auf der Erde lebe.“ Dass er mit dem HSV auch in die 2. Liga ging war für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Mit Uwe im Sturm wäre dieser Abstieg aber nie passiert. Schon allein deshalb nicht, weil es zu Zeiten von „Uns Uwe“ auch nie so einen „Sauhaufen“ gab, wie derjenige, der sich von der Bundesliga verabschiedete.

Schließlich war Seeler auch immer einer vom alten Schlag. Da ging es nicht so sehr um Geld, sondern um Werte. Man hatte schon immer das Gefühl, dass Seeler etwas den alten Zeiten nachtrauerte. In vielen Gesprächen die man mit ihm führte, oder von denen man las, machte Seeler öfter deutlich, dass er von der Söldnermentalität im Fußball nicht viel hielt. Als im Jahr 2011 HSV-Star Ruud van Nistelroy während der Saison zu Real Madrid wechseln wollte, war Seeler fassungslos: „Verträge sind doch dazu da, dass sie eingehalten werden. Langsam wird es in der Bundesliga witzig.“

Seeler selbst ließ sich nie verführen. Nicht einmal von Helenio Herrera dem einst weltberühmten Trainer-Diktator. Der wollte den Torjäger im Jahr 1961 zu Inter Mailand holen. Das Angebot war für diese Zeit üppig: Eine Million Mark Handgeld, jedes Jahr 500000 Mark Gehalt, dazu zusätzlich ein Haus ein Auto und eine deutsche Schule für seine drei Mädchen Kerstin, Helle und Frauke. Das alles noch in der Vor-Bundesligazeit. Doch als dann zwei Jahre später eben die Bundesliga ins Leben gerufen wurde, stiegen auch die Verdienstmöglichkeiten von Seeler. Durch die Einführung dieser Liga wuchs auch der Popularitätsgrad der Fußballer. Zwar fehlt heute in den Archiven der Fernsehsender immer noch das erste Bundesliga-Tor des ehemaligen Löwen-Stürmers Timo Konietzke, aber es gab endlich bewegte Bilder von der Sportart Nummer 1. Jedenfalls wesentlich mehr. als in den Jahren zuvor. Klar, durch seine Präsenz auf dem Spielfeld war Seeler natürlich lange zuvor schon eine Hausnummer. Bereits als 17-jähriger schoss er bei der Weltmeisterschaft in Schweden sein erstes Tor für die Nationalmannschaft gegen Argentinien. Die Deutschen belegten damals den vierten Platz. Seine zweite WM 1962 in Chile wurde für Seeler ein bisschen zum Albtraum. Die deutsche Elf schied bereits im Viertelfinale gegen Jugoslawien aus. „Die Gedanken an Chile sind im Grunde nie gut. Es war durchwegs kein gutes Turnier, und damit meine ich nicht nur die Leistung der Deutschen. Im Prinzip waren alle Spiele auf einem schlechten Niveau. Es wurden wenig Tore geschossen und die Partien meist überhart geführt. Manchmal fehlte nur noch das Messer auf dem Platz. Nee, Chile hat keinen Spaß gemacht“, sagte Seeler später einmal in einem Interview. Doch nach der WM in Chile gehörte Seeler zu den ersten kickenden Fußballstars. Ein Jahr vor der WM in England erschien sein Buch „Alle meine Tore.“ Und neben Franz Beckenbauer oder Helmut Haller zählte er zu jenen Auserwählten die erstmals als Werbeträger („Kraft in den Teller, Knorr auf den Tisch“) im deutschen Fernsehen zum Einsatz kamen. Mit der WM 1966 stand dann ein weiteres Highlight für „uns Uwe“ an. Auch trotz des verflixten dritten Tores bei der unglücklichen Final-Niederlage im ehrwürdigen Wembley-Stadion gegen den Gastgeber. Es war eine Mannschaft auf die ganz Deutschland stolz sein konnte. Zum erstenmal mit dem jungen Franz Beckenbauer, dem pfeilschnellen Siggi Held oder der „linken Klebe“ Lothar Emmerich. Dazu der Augsburger Spielmacher Helmut Haller, den schon seit der WM 1962 in Chile mit Seeler eine tiefe Freundschaft verband. Als Haller im Jahr 2012 verstarb war auch Seeler unter den Trauergästen. „Das war wirklich ein trauriger Anlass. Abgesehen von seinen fußballerischen Qualitäten war Helmut immer eine Frohnatur und zu Späßen aufgelegt. Mit ihm war ich besonders gern auf Lehrgängen oder auf Länderspielreise und wir haben zusammen viel erlebt“, sagte Seeler damals gegenüber unserer Zeitung. Weltmeister zu werden war ihm allerdings niemals vergönnt. Auch 1970 in der vielleicht spektakulärsten WM nach dem Krieg, blieb Deutschland in Mexiko am Ende nur der dritte Platz. Bundestrainer Helmut Schön ging damals ein Wagnis ein, das funktionierte. Mit Gerd Müller und Uwe Seeler ließ Schön bei dieser WM meist mit zwei Spitzen spielen. Seeler gelang im Viertelfinale gegen England ein unglaubliches Tor mit dem Hinterkopf, dass Deutschland schließlich in die Verlängerung und ins Halbfinale gegen Italien brachte. Die 3:4-Niederlage gegen Italien gilt bis heute als bestes WM-Spiel aller Zeiten.

1972 musste Seeler dann seine Karriere auch wegen häufiger auftretenden Verletzungen beenden. Seine Funktionärskarriere beim HSV war später dann eher glücklos. Finanzskandale und sportlicher Misserfolg prägten die drei Jahre zwischen 1995 und 1998. Später räumte er immer wieder mal ein, dass dieses Engagement sein größter Fehler war. In den vergangenen Jahren musste der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft immer mit gesundheitlichen Rückschlägen leben. Im Mai dieses Jahres brach er sich die Hüfte. Zuvor im Jahr 2010 wurde er nach einem Autounfall auf einem Ohr taub und klagte über Gleichgewichtsprobleme. Zudem erhielt er einen Herzschrittmacher und an der Schulter musste ein Tumor entfernt werden. Nun ist Uwe Seeler gestorben. Neben seiner Frau hinterlässt Seeler drei Töchter und sieben Enkelkinder.

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