Umwelthilfe will Böllerverbot in 98 Städten - auch in Wuppertal, Krefeld und Düsseldorf

An Silvester : Umwelthilfe will Böllerverbot in 98 Städten

26 betroffene Kommunen allein in NRW – der Verein schlägt eine Lichtshow statt Knallerei zu Silvester vor. Doch die Städte der Region winken ab.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verschärft ihren Kampf gegen die Knallerei an Silvester: Sie beantragt in 98 deutschen Städten, die vergleichsweise stark durch Feinstaub belastet sind, ein Verbot des Feuerwerks. 26 dieser Städte liegen in NRW, zahlreiche in der Region. Zudem fordert der Verein die Bundesregierung auf, den Kommunen einen größeren Spielraum für solche Böllerverbote zu geben. Nur: Genau diese sehen keinen Handlungsbedarf.

Bereits im Juli hatte die DUH in 31 Städten Deutschlands beantragt, den Start ins neue Jahrzehnt nicht mehr mit Feinstaub und Lärm zu feiern – auf der Liste standen da für NRW etwa Düsseldorf, Köln, Wuppertal, Dortmund und Oberhausen. Jetzt kamen Mönchengladbach, Krefeld und Solingen, aber auch kleinere Städte wie Grevenbroich und Jüchen hinzu. Allen ist gemein, dass sie die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Feinstaubbelastung von maximal 20 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel überschreiten – am deutlichsten in NRW Gelsenkirchen mit 29 Mikrogramm. „Gerade in der Silvesternacht ist die Belastung enorm“, sagt DUH-Sprecherin Ann-Kathrin Marggraf. Durch die Knallerei werde so viel Feinstaub in die Luft geblasen wie durch 16 Prozent des gesamten Straßenverkehrs in einem Jahr.

Laser statt Böller: Düsseldorf ist zumindest aufgeschlossen

Allerdings: Der Verband der pyrotechnischen Industrie mit Sitz in Ratingen weist darauf hin, dass nicht die WHO-Empfehlung in Deutschland gilt, sondern vielmehr ein Grenzwert von 40 Mikrogramm Feinstaub im Jahresdurchschnitt. Zudem dürfe der Höchstwert von 50 Mikrogramm im Tagesmittel nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. „Keine der von der DUH genannten Städte überschreitet diesen Grenzwert“, sagt Verbandsgeschäftsführer Klaus Gotzen.

So sieht man es auch im Landesumweltministerium: Zwar könnten „Silvesterfeuerwerke zu kurzfristigen Spitzenbelastungen führen“, heißt es auf Anfrage. Das habe aber „keinen relevanten Einfluss auf den Feinstaub-Jahresmittelwert“. Das Immissionsschutzrecht biete deshalb keinen Ansatz für ein vollständiges Verbot der Knallerei. „Zum Schutz der Umwelt und vor allem aus Gründen der Sicherheit können Kommunen schon heute entscheiden, ob, wo und wann Feuerwerke zugelassen sind“, heißt es aber.

Die Vision der Umweltschützer mit feinstaubfreien, aber stimmungsvollen Lichtern. Foto: Danny Seck

In der Landeshauptstadt etwa gibt es in diesem Jahr wieder eine Böllerverbotszone in der Altstadt – aus Sicherheitsgründen, weil es dort durch die Kombination aus Menschenmassen und Pyrotechnik früher zahlreiche Verletzte gab. Ein generelles Knallverbot für Düsseldorf werde es aber nicht geben, so ein Stadtsprecher. Es wäre rechtlich aus Luftreinhaltegründen nicht zulässig und zudem praktisch kaum durchsetzbar. Genau so sieht man es in Wuppertal, das von einer unzulässigen Grenzwertüberschreitung „aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung der Werte erfreulicherweise meilenweit entfernt“ sei, so Martina Eckermann vom Presseamt. In Krefeld hatten Stadtverwaltung und Politik sich bereits im September gegen ein Böllerverbot ausgesprochen.

Die Umwelthilfe beteuert übrigens, es gehe mitnichten darum, den Feiernden ihren Spaß zu vermiesen. Sie plädiert vielmehr für ein feinstaubfreies „Silvester 2.0“, wie es etwa in Landshut nunmehr zum zweiten Mal in Folge geboten werden soll: mit einer großen Lasershow statt brandgefährlichen Böllern in der historischen Altstadt. Martina Eckermann winkt für Wuppertal ab: Für die Stärkungspaktkommune wären das unzulässige Kosten, zudem wäre ein solches zentrales Spektakel für die vielen Familien, die privat feiern wollen, keine Alternative. Mehr Offenheit signalisiert da Düsseldorf, wo trotz Knallerverbots viele Menschen in der Altstadt auf engstem Raum zum Feiern zusammenkommen. Eine Lichtshow dort könne man zu gegebener Zeit „ergebnisoffen diskutieren“, so der Stadtsprecher. Dieses Jahr wird’s aber nichts mehr.

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