Twinnies: Bayern-Rockerinnen auf Rollen

Twinnies: Bayern-Rockerinnen auf Rollen

Astrid (12) und Franziska (13) stürmen mit Rock auf der Harmonika vom kleinen Dorf ins große Showgeschäft.

München. Gerade mal 40 Einwohner hat das kleine bayerische Dorf Neufang - und die sind zurzeit ziemlich aus dem Häuschen. Denn mit den Twinnies schicken sich zwei Mädchen aus dem Ort an, die großen Bühnen der Volksmusik zu erobern. Zwölf und 13 sind Astrid und Franziska, die von sich sagen, dass sie so gute Freundinnen sind, dass man sie glatt für Zwillinge halten könnte.

"Mir ist es wichtig jemanden zu haben, dem ich alles sagen kann, und der auch zu mir hält, wenn es mir einmal nicht so gut geht", sagt Franziska. Doch im Moment schweben sie und ihre beste Freundin auf Wolke sieben. "Seit dem Auftritt beim Musikantenstadl freut sich die ganze Schule mit uns. Viele unserer Mitschüler haben sich die CD gekauft, und sogar die Lehrer wollten Autogramme", berichtet Astrid.

Dass sie in einer Volksmusiksendung in die große Fernsehwelt gestartet sind, stört die beiden Mädchen aus dem Bayerischen Wald wenig. Sie haben sogar ein Lied im Repertoire, in dem sie sich zur Musik ihrer Heimat bekennen und sich dabei trotzdem als Rocker fühlen.

"Wir lassen uns nicht in eine Schublade stecken. Wir haben ein ganz neues Genre erfunden. Warum soll man denn nicht auf der steirischen Harmonika Rockmusik spielen?", fragt sich Franziska. Privat steht bei den Schülerinnen zurzeit Pink hoch im Kurs. "Die finden wir supercool", schwärmt Astrid.

Wenn sie auftreten, machen die Mädchen drei Dinge gleichzeitig: Sie singen, spielen die Harmonika und sind dabei noch auf Roller-skates unterwegs. "Die Idee dazu ist durch Zufall entstanden. Wir haben im Hotel von Astrids Vater abends oft Musik gemacht, und als wir mittags mit den Rollerskates unterwegs waren, haben uns Gäste gebeten, doch noch mal die Harmonika rauszuholen.

Seitdem gibt es bei uns Rock auf Rollen", erzählt Franziska. Größere Unfälle gab es zum Glück noch nicht. Nur einmal, berichtet Astrid, sei der Boden in einer Halle etwas unberechenbar gewesen. "Da hatten wir ein ziemliches Problem mit dem Bremsen", sagt die Zwölfjährige und lacht.

Dass Astrid und Franziska jetzt Karriere machen, hat auf die Schule bisher keine negativen Auswirkungen. "Wir sind gute Schülerinnen, und die Schule hat für uns Vorrang.

Musik machen wir nur am Nachmittag und am Wochenende", zeigt sich Franziska vernünftig. Während sie am liebsten in den Sportunterricht geht, gefallen Astrid die Fächer Informationstechnologie sowie Haushalt und Ernährung am besten.

Die Lieder bekommt das Duo von den Erfolgsproduzenten Christian Seitz und Martin Neumeyer (DJ Ötzi) auf den Leib geschrieben. "Wir haben den beiden gesagt, über welche Themen wir gerne singen möchten. Dazu gehört unsere Leidenschaft, lange zu telefonieren, genauso wie Mode oder Karaoke-Partys", sagt Franziska.

Streit gibt es bei den beiden eher selten und wenn doch, dann geht es um Kleinigkeiten. Astrid: "Nach dem Auftritt im Musikantenstadl haben wir im Hotel im gleichen Zimmer geschlafen und konnten uns zuerst nicht einigen, ob der Vorhang auf oder zu bleibt."

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