Trauer: Ein Leben für die Lust ohne Frust

Trauer: Ein Leben für die Lust ohne Frust

Am Samstag wäre Oswalt Kolle 81 Jahre alt geworden. Die Familie hielt seinen Tod länger als eine Woche geheim.

Düsseldorf/Berlin. Dass ihm eines Tages der Titel "Aufklärer der Nation" verpasst werden würde, ahnte Oswalt Kolle zu Beginn seines Berufslebens nicht. Wäre es nach seinem Vater Kurt gegangen, hätte er Medizin studiert.

Nach Umwegen über Landwirtschaft und Journalismus, machte er sich schließlich vor allem als Publizist einen Namen. "Dein Kind, das unbekannte Wesen", war sein erstes erfolgreiches Buch - und Kolle fortan die Autorität in Sachen Sexualleben.

"Sex wurde wie eine ansteckende Krankheit behandelt", schreibt Kolle über diese Zeit. "Nur die Aufklärungsschriften der katholischen Kirche konnte man problemlos bekommen." Die passten dem liberal Erzogenen nicht - Ärger mit der Kirche war programmiert.

Für größeren Wirbel sorgten seine Aufklärungsfilme. Er verstoße damit gegen Recht und Moral, hieß es. Es wurde zum Kinoboykott aufgerufen. Vielen Menschen war das egal, 140 Millionen Zuschauer sollen die Filme bis heute gesehen haben.

Das Thema ließ ihn nicht mehr los. Als Publizist beschäftigte sich Kolle, der sich spät zu seiner Bisexualität bekannte, mit "Sexualität im Alter". Seit 1969 lebte Kolle in Amsterdam. Dort starb er am Freitag vor einer Woche, wie seine Familie erst am Freitag nach der Beerdigung bekannt gab. Kolle hinterlässt Lebensgefährtin Jose del Ferro und drei erwachsene Kinder aus seiner Ehe.

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