1. Panorama

Prozess: Tierquälerin zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt

Prozess : Tierquälerin zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt

Krefeld/Siegburg. Beim Anblick der Bilder zuckt die Schöffin an der Seite von Richter Lars Hillert kurz zusammen. Auf den Fotos ist das zerstückelte Shetlandpony Mario zu sehen. Ohne Kopf, mit drei abgetrennten Beinen — abgesägt oder abgeschnitten von Natascha H. aus Krefeld.

Während sich im Saal 34 des Siegburger Amtsgerichtes bei der Betrachtung der Bilder Unbehagen breitmacht, blickt die Angeklagte stoisch auf den Tisch vor sich. In dieser Position verharrend, versucht sie, die mehrstündige Verhandlung zu überstehen.

Was sie zu sagen hat, hat sie gesagt — gleich zu Prozessbeginn, durch ihre Anwältin. Natascha H. hat gestanden, das ehemalige Zirkuspony „Mario“ in der Nacht zum 31. Mai 2015 getötet und danach verstümmelt zu haben. Auch habe sie in drei Fällen Pferdeunterstände in Troisdorf angezündet. Das Gericht verurteilte Natascha H. zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und vier Monaten Haft.

In die Strafbemessung ist auch die einjährige, zunächst zur Bewährung ausgesetzte Strafe für drei Tiertötungen in Krefeld zwischen Mai und August 2013 eingeflossen. Ein Gesamturteil also für vier Tier-Tötungen und drei Brandstiftungen. Sieben Taten, die man der auf der Anklagebank sitzenden Natascha H. nicht zutrauen würde.

Die 20-Jährige wirkt in ihrem zu großen blauen Pullover eher wie ein großes Kind, als wie eine junge Erwachsene. Fast schützend setzt sich ihre Verteidigerin immer wieder vor ihre Mandantin, um sie den Blicken der mehr als 40 Prozessbeobachter nicht schonungslos auszusetzen.

Die Verlesung des psychiatrischen Gutachtens, der Bericht der Jugendgerichtshilfe, die Plädoyers und die letzten Worte der Angeklagten vor der Urteilsverkündung finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Laut Gutachten soll Natascha H. unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden. Ermittler fanden in ihrer Wohnung in Troisdorf unter ihrem Bett einen abgetrennten Taubenkopf, im Gefrierschrank eine Schildkröte und unzählige weitere Tierskelette. Zudem Fotos von den von ihr in Brand gesteckten Unterständen und dem verstümmelten Kadaver von Shetlandpony „Mario“. Auch nach den Taten in Krefeld hatte die Polizei in dem Elternhaus von Natascha H. mehrere Tierpräparate- und skelette vorgefunden.

Wie vor drei Jahren, kann Natascha H. auch dieses Mal kaum artikulieren, warum sie das Pony entführt, getötet und verstümmelt hat. Richter Lars Hillert appelliert vor den Plädoyers an die Krefelderin, sich zumindest zu einzelnen Fragen nach dem Hintergrund der Tat und Angaben zum Aufenthaltsort des abgetrennten Ponykopfes zu machen. „Für einige Menschen ist diese Auskunft bestimmt sehr wichtig, um mit dem Vorfall abzuschließen“, sagt Richter Hillert mit Blick auf Antje Müllenschläder, die Besitzerin des getöteten Ponys, die als Nebenklägerin auftritt. Nach einer halbstündigen Verständigung mit ihrer Anwältin lässt Natascha H. erklären, dass der Kopf rund 100 Meter vom Tatort entfernt in einem Waldstück vergraben sein soll.

„Ich hoffe, dass die Angaben dieses Mal stimmen“, sagt Hillert. Während der Ermittlungen hatte die Angeklagte zuvor mehrfach falsche Angaben gemacht. Unter anderem hatte sie behauptet, die Taten nicht allein begangen zu haben. Auf die Frage, ob ihre Aussagen diesmal der Wahrheit entsprechen würden, brachte die Krefelderin lediglich ein schüchternes Nicken zustande.

Die Nebenklägerin hatte zuvor in einer Verhandlungspause gesagt: „Ich kann nicht verstehen, wie man so eine Tat begehen kann. Ich bin mir sicher, dass die Frau in eine Klinik und nicht ins Gefängnis gehört. Aber keine Strafe der Welt, kann über den Verlust von Mario hinwegtrösten.“ Die Frau gibt an, seit dem Auffinden des verstümmelten Tierkörpers unter Angstzuständen und Panikattacken zu leiden.

Eine SMS auf ihrem Handy hatte die Ermittler letztendlich auf die Spur von Natascha H. gebracht. Ein Krefelder Polizist hatte die Ermittler in Troisdorf nach der Tötung des Ponys zudem auf Natascha H. hingewiesen, da er wusste, dass die 20-Jährige zum Tatzeitpunkt in der größten Stadt im Rhein-Sieg-Kreis gewohnt hatte. Warum die 20-Jährige ausgerechnet Pony „Mario“ getötet und der Besitzerin daraufhin Nachrichten per Handy zugeschickt hatte, blieb gestern ebenso ungeklärt, wie die Frage nach der Verteilung der Kadaverteile an gut einsehbare Orte.

Der bei den Bränden entstandene Sachschaden wurde von der Nebenklage auf rund 9000 Euro beziffert. Unter anderem waren bei den drei Brandstiftungen drei Sättel und ein Steigbügel beschädigt worden. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.