Tickende Zeitbomben im Boden

Tickende Zeitbomben im Boden

Tausende Kriegsmittel liegen knapp 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch im Boden. Jetzt ist eine Bombe an der A3 nahe Offenbach explodiert.

Offenbach. Nach der Sprengung einer Weltkriegsbombe müssen Autofahrer auf dem Weg von Frankfurt nach Würzburg zeitraubende Umwege und Staus einplanen. Die Autobahn 3 in Richtung Süden wird hinter dem Offenbacher Kreuz vermutlich erst am Donnerstag im Laufe des Tages wieder freigegeben. Die gezielte Sprengung einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatte am Dienstagabend einen metertiefen Krater in die Fahrbahn an einer Baustelle gerissen. Die Autobahn ist eine der wichtigsten Verbindungen für den Fernverkehr zwischen Köln und Würzburg.

Foto: Uwe Anspach/dpa (zu lrs-Vorausmeldung „Blindgänger in Worms wird entschärft - 650 Anwohner betroffen“ vom 17.08.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der britische Blindgänger war am Dienstag bei Bauarbeiten gefunden worden und konnte nicht entschärft werden. Am Abend wurde die Bombe dann kontrolliert gesprengt. Um die Fundstelle wurde eine 1000 Meter-Sicherheitszone eingerichtet. Betroffen war auch der Frankfurter Flughafen. Dort waren zeitweise keine Landungen möglich.

Zigtausende gefährliche Zeitbomben ticken seit Jahrzehnten im Boden. Dazu einige Fragen und Antworten:

Rund 1,35 Millionen Tonnen Bomben warfen britische und US-amerikanische Flieger über dem Deutschen Reich ab. Am schwersten betroffene Großstädte waren nach Angaben des Militärhistorischen Museums in Dresden die Hauptstadt Berlin mit einer Bombenlast von 68 285 Tonnen, gefolgt von Köln (48 014 Tonnen) und Hamburg (38 319 Tonnen).

Experten wie der Chef des Munitionsbergungsdienstes in Mecklenburg-Vorpommern, Robert Mollitor, gehen davon aus, dass je nach Zünderkonstruktion rund zehn bis 20 Prozent der über dem Deutschen Reich abgeworfenen Bomben als Blindgänger auf dem Boden landeten. Gesicherte Zahlen gibt es nicht.

Die Bomben haben nicht an Sprengkraft verloren, sie werden mit der Zeit sogar gefährlicher. Munitionsbergungsexperte Mollitor: „Der Sprengstoff in den Bomben ist chemisch stabil. Seit der Erfindung des TNT vor rund 100 Jahren wurden keine nennenswerten Verringerungen der Sprengwirkung festgestellt.“ Die Zünder würden durch Korrosionsprozesse sogar empfindlicher.

Zunächst werden Versuche unternommen, die Zünder zu entschärfen, wie der Chef des hessischen Kampfmittelräumdienstes, Gerhard Gossens, erläutert. Die Entschärfung gelinge fast immer. Weniger als ein Prozent der Blindgänger würden gesprengt, wie die britische Bombe unter der A 3 bei Offenbach.

Mehr von Westdeutsche Zeitung