Studie: Westdeutsche gehen seltener zum Zahnarzt als Ostdeutsche

Barmer-Untersuchung : Westdeutsche gehen seltener zum Zahnarzt als Ostdeutsche

Eine neue Studie beschäftigt sich mit der Zahnversorgung in Deutschland. Die Untersuchung legt große regionale Unterschiede offen.

Zeig mir deine Zähne und ich sage dir, wo du wohnst. Diesen Schluss legt eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung der Krankenkasse Barmer nahe. Demnach gibt es in Deutschland große regionale Unterschiede bei der Zahnversorgung. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse der Studie.

Wer geht besonders häufig zum Zahnarzt?

Am häufigsten lassen sich die Ostdeutschen in die Zähne schauen. Die Inanspruchnahme-Rate liegt in den neuen Ländern durchweg höher als im Westen. Spitzenreiter ist Sachsen. 2017 gingen dort 77,1 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt. Im Osten insgesamt liegt die Quote bei gut 75 Prozent.

Im Westen kommen die Spitzenreiter Bayern und Baden-Württemberg jeweils nur auf 73,7 beziehungsweise 72,2 Prozent. Mit 65,2 Prozent bilden die Saarländer das Schlusslicht. Der bundesweite Schnitt liegt bei 71,5 Prozent. Eine Ursache für den Unterschied könnte sein, dass Präventionsangebote im Osten traditionell stärker genutzt würden, erklärte Barmer-Chef Christoph Straub.

Wie steht es um die Früherknnung?

Bei Früherkennungsuntersuchungen für kleine Kinder hat eher der Süden die Nase vorn. Bundesweit nimmt gut jedes dritte Kind (35,9 Prozent) zwischen zweieinhalb und sechs Jahren daran teil. In Bayern sind es 42,5 Prozent, im Saarland dagegen nur 27,7 Prozent.

Gibt es auch Unterschiede beim Zahnersatz?

Ja, vor allem bei den Kosten für Kronen, Brücken und Implantaten. In den ostdeutschen Flächenländern liegen die Gesamtkosten mit 1274 Euro bis 1379 Euro deutlich unter dem bundesweiten Schnitt von 1524 Euro. Am teuersten ist der Zahnersatz in Niedersachsen mit 1877 Euro.

Eine Ursache dürfte das Einkommensgefälle zwischen Ost und West sein. So zahlen die gesetzlichen Krankenkassen für Zahnersatz einen festen Zuschuss, der sich an der „Regelversorgung“ bemisst. Je mehr der Patient darüber hinaus will, also etwa ein Implantat anstelle einer Brücke, desto höher fällt sein Eigenanteil aus. In Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel sind das zwei Drittel der Gesamtkosten. Patienten in Sachsen-Anhalt zahlen dagegen weniger als die Hälfte aus eigener Tasche.

Ist teurerer Zahnersatz auch besser?

Nein. Bei einer Untersuchung zur Haltbarkeit von Kronen stellte sich heraus, dass sie bei einer reinen Regelversorgung nach sechs Jahren in 92,2 Prozent aller Fälle intakt waren. Bei teureren Produkten lag die Haltbarkeit bei 92,8 Prozent und damit nur unwesentlich höher. Wer zum Beispiel eine teure Vollkeramikkrone bevorzuge statt einer billigeren Metallkrone, dem gehe es um ästhetische Aspekte, meinte Barmer-Chef Straub.

Welche Schlussfolgerungen
gibt es?

Nach Einschätzung des Studienautors Michael Walter von der Technischen Universität Dresden hat sich die Zahngesundheit in Deutschland insgesamt verbessert. Es gebe keine speziellen Problemgebiete. Auch die Regelversorgung sei „grundsätzlich“ solide.

Allerdings müsse sie im Hinblick auf ältere Menschen überprüft werden. Den Erkenntnissen der Barmer zufolge haben rund 20 Prozent der über 75jährigen einen zahllosen Kiefer. Hier würde die Versorgung mit Implantaten statt Prothesen eindeutig eine Verbesserung der Lebensqualität bringen, meinte Walter.

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