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Studie: Mehrheit für Rauchverbot im Auto

Studie: Mehrheit für Rauchverbot im Auto

Qualmen im Auto, wenn Kinder mitfahren? Eine Studie der Uni Düsseldorf zeigt, dass die meisten Deutschen das nicht mehr wollen.

Düsseldorf. In Kneipen, Büros und öffentlichen Gebäuden ist das Rauchen hierzulande längst tabu. Im privaten Bereich kann dagegen jeder nach Belieben qualmen. Eine Mehrheit der Deutschen findet das nicht gut. Zumindest dann nicht, wenn im Auto geraucht wird und Kinder dabei sind. Wie erste Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zeigen, fordern 71 Prozent der Bundesbürger ein solches Rauchverbot im Auto. Immerhin noch 67 Prozent der befragten Raucher sind dafür, das Qualmen im Auto zu verbieten und unter Strafe zu stellen, wenn Kinder an Bord sind.

Ein Rauchverbot im Auto würde dem Nichtraucherschutz in Deutschland eine neue Qualität verleihen. Beispiele im Ausland gibt es reichlich. In Frankreich, Großbritannien, Italien, Griechenland und Australien ist das Rauchen im Auto seit Jahren verboten, wenn Minderjährige mitfahren. Diese Regelung gilt auch in Teilen der Vereinigten Staaten und Kanadas.

Dass ein solches Verbot auch bei uns eingeführt wird, ist aber wenig wahrscheinlich. Auf Nachfrage unserer Zeitung weicht Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dem Thema aus. „Wer im Auto raucht, handelt unverantwortlich und setzt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die seiner Kinder aufs Spiel“, so Gröhe. Von einem Verbot ist aber keine Rede.

„Die Sorge der Politiker, dass sie ihre Wähler mit so einem Verbot vergrätzen könnten, ist unbegründet“, sagt Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Uni Düsseldorf und Leiter der Debra-Studie gegenüber „Spiegel Online“. „Selbst unter den Rauchern hat die Mehrzahl erkannt, wie sinnvoll es ist, die Kinder vor den Gefahren des Passivrauchens zu schützen. Bei Kindern ist das Risiko lebenslanger Schädigung besonders hoch.“

Minderjährige Passivraucher sind besonders gefährdet: weil sie häufiger atmen als Erwachsene, weil sich die Lunge noch herausbildet und weil ihr Entgiftungssystem nicht ausgereift ist. Und im Auto ist die Giftstoffbelastung extrem: Selbst bei leicht geöffnetem Fenster ist die Konzentration mancher toxischer Partikel laut Messungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) teils fünfmal so hoch wie in einer Raucherkneipe. Da laut DKFZ etwa ein Drittel aller deutschen Raucher noch immer hinter dem Steuer qualmt, sind rund eine Million Kinder hierzulande dem Tabakrauch im Auto ausgesetzt.

Wie die Debra-Studie zeigt, sind die Kampagnen gegen das Rauchen bei uns weniger erfolgreich als anderswo. „Verglichen mit anderen westeuropäischen Staaten ist der Raucheranteil in Deutschland noch immer sehr hoch“, sagt Suchtforscher Kotz. Während beispielsweise in Großbritannien nur noch 17 Prozent der Erwachsenen qualmen, sind es hierzulande 28 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil bei Bürgern ohne Schulabschluss (37 Prozent) und mit niedrigem Einkommen (36 Prozent).

Die Deutsche Krebsgesellschaft geht davon aus, dass jedes Jahr etwa 120 000 Menschen in Deutschland an den direkten gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums sterben — am häufigsten durch Atemwegs-, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen. Trotzdem funktioniert die Arbeit der Zigarettenlobby in Berlin nach wie vor prächtig. Seit vielen Monaten gelingt es der Branche, einen Gesetzentwurf für ein weitreichendes Tabakwerbeverbot zu verschleppen. Damit bleibt die Bundesrepublik das einzige Land in der EU, in dem die Konzerne ihre gefährlichen Produkte noch auf Plakatwänden und Litfaßsäulen anpreisen dürfen.