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Sprache der Katze: Miau ist nicht gleich Miau

Sprache der Katze: Miau ist nicht gleich Miau

Die Phonetikerin Susanne Schötz hat die „Sprache“ der Katzen untersucht — und ein Buch darüber geschrieben.

Düsseldorf/Lund. Wenn meine Katze doch nur sprechen könnte. Diesen frommen Wunsch hört man zuweilen von Katzenhaltern, die ihre Lieblinge so gerne noch etwas besser verstehen würden. Vielleicht kann die schwedische Phonetikerin Susanne Schötz Abhilfe schaffen. Sie erforscht mit sprachwissenschaftlichen Methoden die Laute, welche Katzen von sich geben, und versucht, Regelmäßigkeiten zu erkennen. Denn Miau ist nicht gleich Miau. Ihre bisherigen Ergebnisse hat Susanne Schötz in dem Ende September erschienenen Buch „Die geheime Sprache der Katzen“ niedergeschrieben. Ihr Ziel: Menschen „Kätzisch“ beizubringen.

Sprache der Katze: Miau ist nicht gleich Miau
Foto: Schötz

Frau Schötz, die Wissenschaft der Phonetik behandelt ja eigentlich nur die menschliche Sprache. Wie sind Sie darauf gekommen, auch die Laute von Katzen mit Ihren Methoden zu untersuchen?

Sprache der Katze: Miau ist nicht gleich Miau
Foto: Benevento

Susanne Schötz: Ich leide an einer gewissen Berufskrankheit: Ich achte immer viel mehr darauf, wie etwas gesagt wird als auf den Inhalt. Also auf die Sprachmelodie etwa. Da hat es sich einfach ergeben, dass ich auch bei meinen Katzen mit phonetischen Ohren zugehört habe. Und da habe ich festgestellt: Sie geben ganz viele verschiedene Laute von sich, mit unterschiedlicher Melodie, Dauer, Stimmqualität, mit verschiedenen Vokalen und Konsonanten. Ich habe dann viele dieser Laute aufgenommen und verglichen. Und die Laute lassen sich Situationen zuordnen.

Gibt es denn wirklich für verschiedene Sachverhalte auch verschiedene Katzenlaute? Haben Katzen ein Sprachsystem mit Vokabeln?

Schötz: Viele Katzenhalter glauben das zumindest. Und wir versuchen, wissenschaftliche Belege dafür zu finden. Schauen Sie: Wenn eine Katzenmutter ihrem Jungen das Jagen beibringen will, dann gibt es verschiedene Laute für kleine Beutetiere, etwa Mäuse, oder große wie Ratten. Genauso könnte es sein, dass es unterschiedliche Laute für „Ich möchte fressen“ und „Ich möchte raus“ gibt. Wir arbeiten gerade daran, das herauszufinden.

Wie denn?

Schötz: Mit einem Forschungsprojekt. Das läuft seit letztem Jahr und noch bis 2021. Wir nehmen dabei Situationen der Kommunikation zwischen Katze und Halter auf und vergleichen die. Das könnte auch zu dem Ergebnis führen, dass es keine universellen Katzenlaute für beispielsweise Hunger gibt, sondern nur zwischen Katze und Halter eine individuelle Sprache. Da können auch Dialekte und unterschiedliche Wohnorte eine Rolle spielen.

Was sind denn die direkten Vorteile für einen Katzenhalter, der „Kätzisch“ kann?

Schötz: Nicht nur für die Halter: Für Tierärzte wäre die Diagnose viel einfacher, wenn sie Katzen besser verstehen könnten. Katzen sind Raubtiere, geben also nur ungern zu, wenn es ihnen schlecht geht. Weil sie das in der Natur in Gefahr bringt. In dieser Situation Unterschiede heraushören und zumindest den Grad der Schmerzen bestimmen zu können, wäre ein enormer Vorteil. Überhaupt: Mehr Verständnis kann nur die Beziehung von Mensch und Katze verbessern. Das will ich mit meinem Buch erreichen.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass das Miauen von Katzen ein Laut ist, den sie fast nur dann von sich geben, wenn sie mit Menschen kommunizieren.

Schötz: Genau, weil wir als menschlicher Dosenöffner so etwas wie ihre Ersatzeltern sind. Kleine Kätzchen miauen bei ihrer Mutter. Meistens geht es dabei um Bedürfnisse. Die Katzen müssen im Zuge ihrer Domestizierung gelernt haben, dass wir Menschen am schnellsten reagieren, wenn sie uns in diesem Frequenzbereich ansprechen: Denn er gleicht dem von Kinderstimmen.

Wie nah ist Ihre Forschung denn an der Verhaltensbiologie dran?

Schötz: Ich denke, die Übergänge sind fließend. Beziehungsweise: Wir liefern einen Teil dazu.

Kann es nicht sein, dass ein großer Teil der Interpretation von Katzenlauten nur dadurch gelingt, dass Katzen auch viel über Körpersprache kommunizieren? Zum Beispiel an der Tür stehen, wenn sie raus wollen?

Schötz: Natürlich ist Körpersprache ein ganz wesentlicher Bestandteil der Katzen-Kommunikation. Und es könnte auch sein, dass wir zu dem Ergebnis kommen, dass sich das Tür-Miau phonetisch nicht vom Futter-Miau unterscheidet. Aber auch das wäre ein Ergebnis. Trotzdem: Wir Menschen sind leider oft mit unseren Augen wo anders, am Computer, Buch, Smartphone oder Fernseher, und sehen nicht, dass Mieze schon eine halbe Stunde neben ihrem leeren Fressnapf sitzt. Deshalb haben Katzen gelernt, dass sie mit uns besser mit Lauten kommunizieren, denn da reagieren wir oft sofort. Und deshalb ist es wichtig, die Laute der Katzen zu verstehen.