Sonntags im Stau zum Einkauf nach Holland

Sonntags im Stau zum Einkauf nach Holland

Kurz hinter der Grenze in Roermond haben die Geschäfte das ganze Jahr über geöffnet.

Roermond. Der Sonntag ist in Roermond wie ein ganz normaler Werktag. Nur die Hauptverkehrszeit liegt etwas später, wenn die Menschen am Niederrhein und im Ruhrgebiet in ihre Autos steigen, um im Nachbarland einzukaufen. Noch voller ist die A52 an deutschen Feiertagen, dann stauen sich die Autos kilometerlang über die Grenze bis nach Deutschland zurück. Der Grund: Mittlerweile lockt nicht nur das Design-Outlet-Center für Textilien und Schuhen mit ganzjähriger Öffnung, sondern auch Möbelhäuser und Gartencenter sowie aus Deutschland bekannte Discounter und Elektronik-Märkte.

Sämtliche Parkplätze sind voll, die Suche nach einer freien Lücke dauert. Nadine Meister aus Oberhausen ist mit Ehemann und zwei Söhnen zum Retail-Center gekommen, das von Deutschland aus gesehen noch vor der Stadt Roermond liegt. Zuerst haben alle vier im großen Spielzeugladen die Auslagen bestaunt, jetzt dürfen Yannik (3) und Ben (1) in einem roten Auto mit Ernie und Bert fahren, während Papa noch einmal schnell und unauffällig in den Laden hineinläuft, um einzukaufen, worüber er und seine Frau sich vorhin mit Blicken verständigt haben. "Danach machen wir noch einen Abstecher zum Designer-Outlet", sagt sie.

Christiane und Erich (beide 43) aus Grevenbroich haben ihre Mütter (71 und 77) im Schlepptau. Im Schneckentempo schieben sie sich mit der Masse durch das Gartencenter und schauen sich die Weihnachtsdekorationen an. "Das Gedränge nervt", sagt Erich, "das macht keinen Spaß." Zum Discounter gleich nebenan gehen sie nicht mehr. "Sonntags Milch und Wurst einkaufen", sagt Christiane, "das geht irgendwie nicht."

Roermond mit seinen rund 55 000 Einwohnern hat nicht nur das Designer-Outlet-Center und das Retail-Center. Roermond hat auch den Titel "Beste Innenstadt der Niederlande" im Bereich der mittelgroßen Städte. Neidisch ist Markus Ottersbach, Geschäftsführer des direkt angrenzenden Einzelhandelsverbands Krefeld-Kempen-Viersen, deshalb nicht: "Man muss anerkennen, wenn jemand seine Sache gut macht."

Roermond habe mit seiner idyllischen Lage am Wasser gute Voraussetzungen, die Einkaufszentren lägen sehr stadtnah. "Und bei den Öffnungszeiten am Sonntag sind die Niederländer deutlich liberaler als die Deutschen." Außerdem habe "Roermond auch viel Geld in die Hand genommen, um das Marketing voranzutreiben". Schon an der letzten deutschen Autobahnbrücke hängt das erste Schild, dass in Roermond die Geschäfte jetzt auch sonntags geöffnet sind.

Wie man die Kundschaft verprellt, zeigt dagegen das deutsche Neuss. Hier tobte ein erbitterter Streit um die (vier möglichen) Kaufsonntage, die Kirchen schalteten sich massiv ein. Zunächst wurden nur zwei beschlossen. Dann boxte der Bürgermeister gegen den Stadtrat einen dritten durch. Am 2.Advent blieben die Läden dann aber zu: Zünglein an der Waage waren einige Christdemokraten, die nicht gegen ihr Gewissen stimmen wollten.

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