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Serie Digitalisierung : Sieben Wochen ohne Smartphone - So wichtig ist das Handy wirklich

Serie Digitalisierung : Sieben Wochen ohne Smartphone - So wichtig ist das Handy wirklich

Sieben Wochen hat unser Autor versucht, ohne Smartphone zu leben - als Handyfasten vor Ostern. Hier zieht er Bilanz.

Was brauchen wir zum Leben? An Ostern, dem Fest des Lebens, darf man das ja mal fragen. Mir würden da einfallen: Kleidung, ein Dach über dem Kopf und ein nicht gähnend leerer Kühlschrank. Und am Ende der Fastenzeit müsste ich wohl ergänzen: Auch ein Leben ohne Smartphone ist nicht denkbar.

Das denke übrigens nicht nur ich. Das denken auch diejenigen, die es mit Kleidung, Dach und Kühlschrank nicht so gut getroffen haben wie ich. Unvergessen ist mir eine Reise durch Tansania, noch immer eines der ärmsten Länder der Welt. Es seien viele Gastgeschenke denkbar, wurde uns vorher gesagt, aber Handys seien ausgeschlossen. Davon gebe es vor Ort schon genug. Und selbst Flüchtlinge klammern sich an wenig so sehr wie an ihr Smartphone. Ist es doch oft die einzige Verbindungsschnur zu ihren Liebsten in einer zerrissenen Welt.

So richtig fällt mir als Gegenbeispiel eigentlich nur meine Frau an: Sie hat immer noch kein Smartphone, kommt aber merkwürdigerweise trotzdem irgendwie durchs Leben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie nicht sonderlich groß ist: So jemand kann der Digitalisierung bei ihrem unaufhaltsamen Siegeszug durch die Welt schon mal durchgehen.

Vielleicht ist sie sogar glücklicher dabei (meine Frau, nicht die Digitalisierung). Denn es ist ja nicht immer nur eine Freude, ständig und auf allen Wegen erreichbar zu sein und ständig und in jeder Sekunde etwas verpassen zu können. In meinem Beruf beispielsweise kann man in einer Konferenz schon ziemlich doof aussehen, wenn man eine fünf Minuten alte Push-Nachricht noch nicht gelesen hat. Andererseits: Wenn ich bei unterschiedlichen Anbietern fünfmal eine Eilmeldung desselben Inhalts angeklickt habe, komme ich mir auch eher doof als ziemlich schlau vor.

Aber am Ende sind das alles letzte Abwehrzuckungen eines Menschen, der in seinem Leben noch Briefe, Telefone mit Wählscheibe und ein mehrbändiges Lexikon zum Nachschlagen kennengelernt hat. Das ließ sich zwar nicht in die Hosentasche stopfen, aber ich bilde mir immer noch ein, dass unser Hirn am Wohnzimmertisch erblättertes Brockhaus-Wissen nachhaltiger abspeichert als an der Straßenecke zusammengegoogeltes Wikipedia-Wissen. Mag ein Irrtum sein.

Kein Irrtum ist, dass uns das Smartphone die Welt erschließt, aber die Vorstellung von ihr versaut. Wer sich nur noch mit dem displaybegrenzten Ausschnitt von Google Maps durchs Leben navigiert, verliert das Gefühl für Himmelsrichtungen, die Komposition von Städten und den geografischen Zusammenhang.

Das ist ja nicht so schlimm, solange man Empfang hat. Aber wenn das letzte Akku-Prozent verbraucht, die letzte Ahnung vom eigenen Standort verblasst und die letzte verzweifelte Suche nach einer Karte gescheitert ist, werden wir merken, dass man Smartphones nicht essen kann.